Anahita

Anahita („die Makellose“), ursprünglich semitische Göttin, der > Anath verwandt, wurde als Fruchtbarkeits- und Siegesgöttin in das Pantheon des Parsismus aufgenommen. Im Westen taucht sie zuerst in den Inschriften des Großkönigs Artaxerxes II. (404-359) auf, wo sie zusammen mit > Ahura Mazda und > Mitra angerufen wird. A. gilt in der altiranischen Mythologie als Beschützerin der guten Geister > Amesha Spentas sowie als Schutzgöttin der Frauen und der Fruchtbarkeit und als Göttin des Wassers. Dargestellt wurde A., als deren Vorbild die babylonische Fruchtbarkeitsgöttin > Ischtar gilt, in einem Gewand aus strahlendem Gold, auf dem Haupt trägt sie eine mit Edelsteinen besetzte Krone und in der Hand manchmal einen Wasserkrug. In ihrer Begleitung finden sich die ihr heiligen Tiere, Taube und Pfau. Der bekannte Geograph Strabo berichtet von ihrem Kult, zu dem auch die Tempelprostitution gehörte, dass sogar die Töchter der Vornehmen sich ihr zu Ehren prostituierten. A. besitzt große Tempel mit Herden von ihr geweihten Kühen. Ihre Verehrung war auch in Armenien unter dem Namen > Anahit und in Kleinasien unter Anaïtis stark verbreitet. Im awestischen Kalender sind ihr der 10. Tag und der 8. Monat geweiht. In der mittelpersischen Tradition heißt sie > Ardvi und seit dieser Zeit ist Anahita der Name des Venussterns (neupersisch nahid). Die A. in spätantiker Zeit zugedachten Aspekte von Lebenskraft, Weisheit und Zauber führten zur Gleichsetzung mit > Aphrodite, > Athena und > Hekate.

Lit.: Windischmann, Friedrich H. H.: Die persische Anahita oder Anaitis: ein Beitrag zur Mythengeschichte des Orients. München: Verl. d. K. Akademie, 1858; Blochet, Edgar: Le culte d‘Aphrodite-Anahita chez les Arabes du paganisme. Paris: Maisonneuve, 1902; Anahita: Grundlegendes zur arischen Metrik; Yast V. metrisch / hg., übers. u. erklärt von Hermann Weller. Stuttgart; Berlin: Kohlhammer, 1938.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1