Amok

Amok (malai. meng-âmok, in blinder Wut angreifen und töten), eine auf den malaiischen Inseln plötzlich auftretende Bewusstseinsstörung mit absoluter Gewaltbereitschaft. Die Betroffenen laufen meist bewaffnet umher und töten sinnlos. Die Täter, die in einer solchen Ausnahmesituation Straftaten begehen, nennt man Amokläufer oder auch Amokschützen, falls sie Schusswaffen gebrauchen, oder Amokfahrer, falls sie Fahrzeuge einsetzen.
Das DMS-IV (Diagnostisches Statistisches Manual psychischer Störungen) bezeichnet A. als kulturgebundenes psychiatrisches Krankheitssyndrom. Hierzu gehören neben A.: Latah, das zwangsmäßige Nachahmen von Handlungen bei Malayen, Afrikanern und Lappländern; Koro die vor allem in Asien epi­demisch auftretende Angst, der Penis könnte sich in den Körper zurückziehen, was zum Tod führen würde; Pibloko, auch „arktische Hysterie“ genannt, ein- bis zweistündige Anfälle vor allem bei Frauen, mit tierischen Schreien und Zerreißen der eigenen Kleider – nach dem Anfall sind die Personen völlig normal; Witiko, die Angst, in ein Mon­ster verwandelt zu werden; oder gewisse Verhaltensmuster des Voo­doo-Rituals. Die Symptome sind charakterisiert durch ein stereotypes Verhalten meist psychotischen Ausmaßes, das kulturell eindeutig als pathologisch bezeichnet wird.
Was die Gemeinsamkeiten speziell der Amoktaten betrifft, so lässt sich folgendes Ablaufbild ausmachen: sozialer Rückzug der Täter mit Verlust des Realitätsbezugs, eruptive, exzessive Gewalthandlungen, depressive und amnestische Zustände bezüglich des Tatausbruches und der einzelnen Tathandlungen. Dabei scheinen folgende Wesensmerkmale der Täter wirksam zu werden: geringe Frustrationstoleranz, Ich-Schwäche, Identitätsunsicherheiten, sexuelle Störungen, passiv-aggressive Neigungen und Impulskontrolldurchbrüche.
Untersuchungen von 488 Volksgruppen weltweit durch E. Bourguignon (1973) haben gezeigt, dass 90% dieser Gruppen den einen oder anderen der angeführten Zustände institutionalisiert haben.
 
Lit.: Bourguignon, Erika: Religion, Altered States of Consciousness, and Social Change. Columbus: Ohio State Univ. Press, 1973; Knecht, T.: Amok –Transkulturelle Betrachtung über eine Extremform menschlicher Aggression. In: Kriminalistik 53 (1998) 10, 681–684; Weilbach, Karl: Aktionsmacht Amok: eine kriminologische Fallstudie. Münster: Lit, 2004; Theisen, Manfred: Amok: die Geschichte eines Amoklaufs. München: cbj-Verl., 2005.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1