Amniomantie

Amniomantie (griech. amnion, Embrionalhülle; engl. amniomancy), Weissagung durch die innere Embryonalhülle. Der Name ist nicht antik, sondern taucht wahrscheinlich zuerst bei M. A. Del Rio auf. Allerdings schrieb man schon im Altertum der bisweilen dem neugeborenen Kind noch anhaftenden Hülle besondere Bedeutung zu, wie dies eine Notiz über Antoninus, den Sohn von Kaiser Marcus Opellius Macrinus (217-218 n. Chr.), zeigt, dem bei der Geburt das Amnion in Form einer Stirnbinde anhaftete, weshalb er Diadematus, später Diadumenos genannt wurde. Man erblickte im Amnion ein günstiges Omen (das Diadem entsprach im Altertum der Krone). Zudem wird berichtet, dass Hebammen solche Hüllen verkauften, weil sie vor Gericht angeblich Glück brachten. Im Mittelalter weissagten Frauen auch aus der Farbe des Amnion die Zukunft des Kindes, wobei rötliche Färbung Glück, dunkelgraue hingegen Unglück bedeuteten. Zur Abwehr des Unglücks mischte man Stücke der Haut in den Trank des Kindes. > Glückshaube.

Lit.: Del Rio, Martin Antoine: Disquisitionum magicarum: libri sex, in tres tomos partiti. – Lovanii: Rivius, 1599; Boulenger, Jules César: Julii Caesaris Bulengeri Opusculorum Systema, duobus tomis digestum. Lugduni: Pillehotte, 1621; Die Kaisergeschichte der sechs Schriftsteller: Aelius Spartianus, Iulius Capitolinus, Aelius Lampridius, Vulcatius Gallicanus, Trebellius Pollio, Flavius Vopiscus / übers. und mit Anmerkungen begleitet von C. August Cloß. Stuttgart: Metzler, 1856; Lemnius, Levinus: Levini Lemnii Occulta naturae miracula: Das ist / Wunderbarliche Geheimnüsse der Natur in deß Menschen Leibe und Seel / auch in vielen andern natürlichen Dingen / als Steinen / Ertzt / Gewächs und Thieren: So dann auch von den zwölff himmlischen Zeichen ... als auch deß Menschlichen Leibe. Franckfurt; Hamburg: Guth, 1672.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1