Amnesie

Amnesie (griech. a, ohne, und mnésis, Gedächtnis), zeitlich begrenzter völliger oder teilweiser Verlust des Gedächtnisses. Es wird zwischen anterograder und retrograder Amnesie unterschieden. Anterograde Amnesie bezeichnet die Unfähigkeit zur langfristigen Neueinspeicherung von Informationen, retrograde Amnesie hingegen die Unfähigkeit, bereits gespeicherte Informationen abrufen zu können. Im Einzelnen ist die Amnesie ein sehr komplexes Phänomen. So spricht man von psychischen oder psychogenen, vorübergehenden globalen, posttraumatischen, konfabulatorischen und spezifischen Amnesien ebenso wie von visuellen, verbalen, zeitlichen, Farben-, Formen- und Namen-Amnesien. Mögliche Ursachen sind organische Hirnschädigungen, psychogene Schockerlebnisse, aber auch hypnotische Induktionen und Tranceerlebnisse. Eine A. tritt nämlich sehr häufig bei Medien auf, die sich an die Vorgänge bei einer Séance und die von ihnen im Trancezustand mitgeteilten Botschaften nicht mehr erinnern können.
Die A. stellt sich manchmal nur auf bestimmten Bewusstseinsebenen ein und in Fällen multipler Persönlichkeit nur in Bezug auf eine bestimmte andere. Das verschüttete Material kann das Verhalten steuern und vielleicht sogar von anderen Personen telepathisch erworben werden.
Verschiedene Techniken wie Hypnose und Entspannungsübungen ermöglichen zuweilen eine Wiederherstellung des Bewusstseinszustandes vor der Störung. Anhänger der Reinkarnationstherapie verbinden die A. mit früheren Existenzen, halten aber eine gelegentliche Aufhebung für möglich.
Auf alle Fälle ist das Phänomen der A. so vielschichtig, dass im konkreten Fall nur eine eingehende Differenzialdiagnose eine Aussage ermöglicht.

Lit.: Murphy, Gardiner: Challenge of Physical Research. New York: Harper, 1961; Redlich, Fredrick C.: Theorie und Praxis der Psychiatrie. Frankfurt / M.: Suhrkamp, 1970; Dorsch Psychologisches Wörterbuch / Friedrich Dorsch; Häcker, Hartmut; Stapf, Kurt H. [Hrsg.]. 12., überarb. u. erw. Aufl. Bern; Göttingen; Toronto; Seattle: Hans Huber, 1994.

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1