Amethyst

Amethyst, schon in der Antike bekannter Halbedelstein aus einer Quarzgruppe mit violetter Färbung, der heute überwiegend in Brasilien zu finden ist, dessen indische Variante aber die kostbarste sein soll. Je purpurfarbener und ähnlicher der Stein dem ungemischten Wein war, desto mehr schätzte man ihn in der Antike. Griech. amethysios bedeutet „nicht betrunken sein“, und man sah in dem > Dionysos geweihten Stein einen Schutz sowohl vor dem Betrunkensein als auch vor Alkoholismus und trug ihn deshalb als > Amulett. Becher aus A. waren aus diesem Grund angeblich beliebte Weinbecher. Rätsch vermutet jedoch eher andere Gründe für die Beliebtheit dieser Steinbecher: die magischen Kräfte im A. sollten sich mit den magischen Kräften des Weines, dem die Griechen bewusstseinsverändernde Pflanzen wie > Alraune, > Bilsenkraut oder > Mohn (Opium) zusetzten, gegenseitig verstärken (Rätsch, 30). Der Sage nach verwandelte nämlich > Artemis eine > Nymphe des Dionysos aus Eifersucht in einen Stein, eben einen Amethyst. Das entspricht der Verwandlung anderer Nymphen in psychotrope Pflanzen. Zaubersteine und psychoaktive Pflanzen wurden oft zusammen angewendet.
Auch die zauberhafte rötlich-violette Färbung des Steines gab schon in der Antike, so etwa Plinius, Anlass zu Überlegungen für seinen Gebrauch. Bei einigen Kirchenvätern wird die A.-Farbe als Zeichen einer von jeglichem Stolz befreiten und demütig auf die himmlischen Dinge gerichteten Seele angesehen (Forstner, 303). Der A. wurde auch als einer der Grundsteine des himmlischen Jerusalem gedeutet. Generell symbolisieren das Rot und das Blau des A., die sich in dem Stein durchdringen, die Qualitäten von Liebe und Treue.
In Malaysia schätzt man die allgemeine Schutzwirkung des A., der böse Gedanken und Nachtgespinste vertreiben soll, den Menschen mit dem All verbinde und bei vielen Beschwerden, etwa Kopfschmerzen, ausgezeichnet helfe. Für indische Buddhisten ist der A. ein Stein des Buddha und man schnitzt aus ihm kleine Götterfiguren. Generell verstehen die Inder den A. als einen Edelstein des Glücks.
In Deutschland beschreibt > Hildegard von Bingen im 12. Jh. die Funktion des Steines, vor Schlangen und Nattern zu beschützen.
Hebräischen Schriften zufolge soll er auch angenehme Träume hervorrufen. Shepard erwähnt außerdem die ihm zugeschriebene Kraft der Verursachung prägkognitiver (> Präkognition) Träume.

Lit.: Paulys Real-Encyclopädie. Hg. v. G. Wissowa u. a. Stuttgart, 1894ff., Bd. 1 1894; Ruppenthal, A. (Hg.): Mythologie der Edelsteine. Idar-Oberstein / Georg-Weierbach: Prinz Druck GmbH & Co. KG, 1988; Rätsch, Christian / Guhr, Andreas: Lexikon der Zaubersteine aus ethnologischer Sicht. Graz: ADEVA, 1989; Forstner, Dorothea: Neues Lexikon christlicher Symbole. Innsbruck: Tyrolia, 1991; Shepard, Leslie A. (Ed.): Encyclopedia of Occultism & Parapsychology. In Two Volumes. Detroit: Gale Research Inc., ³1991; Werner, Helmut: Lexikon der Esoterik. Wiesbaden: Fourier, 1991; Becker-Huberti, Manfred: Lexikon der Bräuche und Feste. Freiburg: Herder, 2000.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1