Amalrich von Bena

Amalrich von Bena (Amalricus, Almaricus, Amauricus), geb. in Bène (bei Chartres) in Frankreich, war Lehrer an der Pariser Artistenfakultät und Theologe in Paris, wo er 1206/7 starb und beim Kloster St. Martin des Champs kirchlich begraben wurde. A. verbindet das für die „Schule von Chartres“ typische Studium der sog. neuen Logik mit naturphilosophischen und neuplatonisch-metaphysischen Ideen und baut die Grundanschauungen des > Johannes Scotus Eriugena einseitig zu einem entschiedenen Pantheismus aus. Wegen seiner mystisch-pantheistischen Lehre von der Gliedschaft der Gläubigen am Leib Christi angeklagt, musste er sich 1204 in Rom vor Innozenz III. verantworten und sah sich zum Widerruf genötigt. Erst nach seinem Tod wurde man auf die von ihm gegründete Sekte der Amalrikaner aufmerksam, die Folgendes lehrten: Gott der Vater habe sich in Abraham und den Patriarchen verkörpert, der Sohn in Christus und den Christen, der Geist in Almarich und seinen Anhängern. Dementsprechend gäbe es auch drei Zeitalter. Im Zeitalter Christi habe das mosaische Gesetz, im Zeitalter des Heiligens Geistes hätten die Sakramente des Neuen Bundes ihre Kraft und Bedeutung verloren. Die Amalrikaner behaupteten, mit ihnen sei das Zeitalter des Heiligen Geistes angebrochen. Sie lehnten die Sakramente und die Heiligenverehrung ab und bezeichneten den Papst als Antichrist. 1209 trat in Paris eine Synode zusammen, um die Amalrikaner zu exkommunizieren. Neun ihrer Geistlichen sowie einer ihrer Propheten wurden verbrannt, vier weitere Geistliche zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine nochmalige Verurteilung der Lehre A.s erfolgte dann 1215 durch Innozenz III auf dem 4. Laterankonzil.

Lit.: Capelle, Germaine C.: Amaury de Bène: étude sur son panthéisme formel. Paris: Vrin, 1932 (Autour du décret de 1210); Denzinger, Heinrich: Enchiridion symbolorum definitionum et declarationum de rebus fidei et morum. Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrmeinungen. Freiburg: Herder, 392001, 803, 808.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1