Alp

Alp oder Alb, Alf, Elbe, gespenstisches, dämonisches Wesen aus der germanischen Mythologie, entspricht angels. aelf und altnord. álfr, > Elfe, > Mahr. Im norddeutschenBereich herrscht die Bezeichnung Mahr vor, während in Süddeutschland eher Drud bzw. Trud, Drutt oder Trudd gebräuchlich sind. Die Formen, die der A. annehmen kann, sind sehr vielfältig und reichen von mehr oder weniger phantastischen Tiergestalten wie Katze, Pudel, schwarzem Hund, Affe, Fuchs, Bock, Pferd mit feurigen Augen, „Nachtpferd“, schwarzer Henne, Elster, Schlange, Kröte, schleimigem, kleinen Tier und weißem Schwein über die verschiedensten menschlichen Gestalten, etwa ein buckliges rotes Männlein oder eine weiße Frau, bis hin zur relativen Gestaltlosigkeit wie der eines weißen Nebels. Auch Verwandlungsfähigkeit, z. B. von einer Schlange in einen Frosch, ist ein Charakteristikum des A. (Bächtold-Stäubli). Der Alp verursacht vor allem beim Einschlafen und während des Schlafes beklemmende Angstgefühle, als ob die Brust zusammengedrückt würde.
Der A. kann nicht nur gesehen, sondern auch gefühlt oder gehört werden. Er fühlt sich gelegentlich weich an und besitzt keine Knochen, ist von ekelhafter Feuchtigkeit; wenn er kommt, hört es sich an, als würde er einen nassen Sack über den Boden schleifen; ein andermal latscht er, als trüge er Filzschuhe, und seine Schritte können tappend und schwerfällig sein (Bächtold-Stäubli). Das alles erinnert sehr an Berichte über Spuk und Poltergeister, die häufig mit derartigen Sinneseindrücken wie etwa > Mimikry-Geräuschen einhergehen. Der A. spielt auch bei der Entstehung des Hexenglaubens eine wichtige Rolle.
Was ist der A.? Hier gibt es eine weite Palette an Interpretationen. Selten gilt der A. als > Dämon, manchmal rückt er in die Nähe von > Zwergen und > Kobolden. Oder aber es steckt der Teufel in ihm. Weiters kann es sich auch um den Geist eines Verstorbenen handeln, für den man dann Messen lesen lassen oder Gebete verrichten soll, wie es von vielen Poltergeistfällen berichtet wird. Häufig wird der A. auch als Geist eines Kindes, einer Frühgeburt, gedeutet. Ferner kann auch der Geist eines lebenden Menschen als A. umgehen und die Schlafenden bedrängen.
Das Altertum kennt einen männlichen > incubus und einen weiblichen > succubus.

Lit.: Schrader, Otto: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Grundzüge einer Kultur- und Völkergeschichte Europas. Hg. v. A. Nehring. Berlin; Leipzig: Walter de Gruyter & Co., Bd. 1 ²1917-1923, Bd. 2 ²1929; Biedermann, Hans: Handlexikon der magischen Künste. Graz: ADEVA, 1968; Hoops, Johannes (Hg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, 17 Bde ff. Berlin; New York: Walter de Gruyter, ²1973ff.; Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. 10 Bde. Berlin: W. de Gruyter, 1987; Puhle, Annekatrin: Learning from Historical Cases: Six Selected Poltergeist Cases from the 1700s in Germany. In: European Journal of Parapsychology, vol. 16, 2001, 61-72.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1