Aloe

Aloe (Aloe vera oder Aloe barbadensis), in subtropischen Regionen heimische Heil- und Zauberpflanze aus der Familie der Liliengewächse, von der es viele Arten mit farbintensiven Blüten gibt und die schon im Altertum aufgrund ihres > Aromas geschätzt wurde.
Berühmt war damals die ägyptische Augensalbe, die bei Trachom, der „ägyptischen Augenkrankheit“, helfen sollte. Auch die Sumerer benutzen die A.. Verbreitet war zudem das Räuchern mit der A. zu magischen und religiösen Zwecken, da die Pflanze in Indien und China als Seelenreiniger galt. Im lateinamerikanischen Raum fertigt man > Amulette aus der sehr geschätzten Zauberpflanze an, der nach altem Glauben eine dem Menschen Gesundheit und Wohlergehen bringende Göttin innewohnt. Die immergrüne A. bringt ihre Lebenskraft jedem Kranken und kann sogar unfruchtbaren Frauen helfen. Im Orient wird sie über Haustüren gehängt, da sie vor Verhexung und Wetterschäden schützen soll.
A. ist ferner eine Zutat der orientalischen Fröhlichkeitspillen und verwandter Zubereitungen (Rätsch 1998, 772). Rätsch listet die A. neben Hundeschädeln, Menschenknochen, Maultier-Schienbeinen und vielen anderen Ingredienzien als Bestandteil der Zombiegift-Antidote auf (Rätsch 1998, 809). Generell wird die Pflanze mit Schönheit assoziiert und sowohl als Glücksbringerin wie auch als Beschützerin angesehen.
Nach Rätsch gibt es kaum eine Krankheit, die aus ethnomedizinischer Sicht nicht mit der A. behandelt werden kann, ganz entsprechend ihrem Namen Sábila Sagrada, den sie in Mexiko, Kolumbien und Venezuela trägt und der „die heilige Wissende“ bedeutet. Benutzt wird vor allem der eingedickte Blattsaft der Pflanze, bevorzugt zur Herstellung von Salben, die auch für die Kosmetik-Industrie relevant sind.

Lit.: Schrader, Otto: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Grundzüge einer Kultur- und Völkergeschichte Europas. Hg. v. A. Nehring. Berlin; Leipzig: Walter de Gruyter & Co. Bd. 1 ²1917 – 1923, Bd. 2 ²1929; Rätsch, Christian: Indianische Heilkräuter. Köln: Diederichs, 1987; Rätsch, Christian: Lexikon der Zauberpflanzen aus ethnologischer Sicht. Graz: ADEVA, 1988; Werner, Helmut: Lexikon der Esoterik. Wiesbaden: Fourier, 1991; Magister Botanicus: Magisches Kreutherkompendium. Speyer: Die Sanduhr, ²1995; Rätsch, Christian: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Aarau, CH: AT, 1998.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1