Allerheiligen

Allerheiligen, Fest der Heiligen und Seligen am 1. November. Die Heiligenverehrung trat zuerst als Märtyrerverehrung auf. Das erste Zeugnis einer Verehrung bezieht sich auf den Märtyrertod des hl. Polykarp um 155 n. Chr. Die Ostkirche kennt ein Fest aller Märtyrer seit dem 4. Jh., der Westen erst seit der Umweihung des Pantheon in Rom auf Maria und die Märtyrer am 12. Mai 609 oder 610. An der Wende vom. 8. zum 9. Jh. wurde das Fest in Irland vom Frühjahrstermin auf den 1. November verlegt, den Anfang des keltischen Jahres, der zugleich auch als Winteranfang galt. Am Vorabend, dem 31. Oktober, finden bei den stark irisch geprägten Katholiken der USA heute noch Bräuche mit genuin heidnischen Zügen analog den Saturnalien im Umkreis des römischen Neujahrstages statt. Dieser Vorabend des den Heiligen (hallows) geweihten Tages wird > Halloween genannt und hat sich mittlerweile weltweit zu einem (vom Kommerz bestimmten) Gruselspektakel ausgewachsen.
Der neue Termin des 1. November gelangte schließlich von Irland nach Italien und wurde 835 in diesem Sinne von Papst Gregor IV. eingeführt.
Dem Volksglauben nach dürfen die Seelen zu Allerheiligen das Fegefeuer verlassen, sich bei ihren Gräbern oder in den Häusern der Lebenden aufhalten und sich optisch und akustisch bemerkbar machen. Zu Allerheiligen werden daher die Grabstätten geschmückt und Totenlichter angezündet.

Lit.: Jamin, Nicolas: Geschichte der Kirchenfeste der Geheimnisse unseres Herrn, Advents, Fastenzeit, der heiligen Jungfrau, Apostel und Allerheiligen. Bamberg u. a.: s. n., 1784; Adam, Adolf: Das Kirchenjahr mitfeiern. Neuausg. Freiburg i. Br.; Basel; Wien: Herder, 1995: Resch, Andreas: Paranormologie und Religion. Innsbruck: Resch, 1997, S. 343-377.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1