Allegorie

Allegorie (griech. allegoria, Andersreden, bildliche Redensweise). Sinnbildliche Darstellung eines Gegenstandes oder Vorganges durch einen anderen, im weiteren Sinne durch ein Bild, das sich selber zeigt, aber auch zugleich ein anderes Sinnfälliges oder Gedankenhaftes darstellt. Die allegorische Aussage meint daher etwas anderes als der eigentliche Wortsinn der Formulierung. So sind die nicht nachahmenden Künste, Musik und Architektur, keiner Allegorie fähig, wohl aber die nachahmenden, die Bildhauerkunst, die Malerei und vor allem die Poesie. Daher heißt der poetische allegorische Ausdruck auch bildliche Redeweise.
Im Gegensatz zum Symbol, das den dahinter liegenden Begriff ersetzt, ist die Allegorie die abgeschlossene Darstellung eines Objekts oder Gegenstands.
In der Antike und der Renaissance der Mythologie benachbart, im Mittelalter im Dienst der moralischen Ziele, fand die Allegorie im Barock zum letzten Mal einen Stil, der ihrer Zweischichtigkeit von Begriffs- und Bildfreudigkeit entsprach.
Durch die Unmöglichkeit der begrifflichen Darstellung allen Geschehens, vor allem auf der Empfindungsebene, wird die Allegorie zu einem Grundelement menschlicher Kommunikation - in der Kunst, um Übergreifendes bildhaft darzustellen, in der Sprache zur Klärung des begrifflich Unverständlichen, in der Textanalyse zur Verständigung des Inhalts, wie sie die Griechen bereits in der Homer-Erklärung verwendeten. Die Allegorie entsprach nämlich dem griechischen Glauben, dass sich die Götter in Rätseln, Orakeln und Mysterien mitteilen. So nimmt die Allegorie bis heute vornehmlich im religiösen Bereich wie auch in den Ausdrucksformen veränderter Bewusstseinszustände, etwa in den Träumen, einen besonderen Stellenwert ein.
Die Deutung der allegorischen Darstellungen setzt daher ein hohes Maß an Kenntnissen der Allegoriebildung voraus, weil sie nur allegorisch erfolgen kann, ohne jedoch neue Allegorien zu bilden und nicht allegorische Texte in ihrer Form zu belassen.

Lit.: Jung, C. G.: Mysterium Coniunctionis: Untersuchungen über die Trennung und Zusammensetzung der seelischen Gegensätze in der Alchemie / Marie-Louise von Franz [Mitarb.]. Zürich; Stuttgart: Rascher, 1968 (C. G. Jung Gesammelte Werke; 14/2); Freud , Siegmund: Die Traumdeutung. Über den Traum GW 2-3. Frankfurt/M.: Fischer, 41968; Wittkower, Rudolf: Allegorie und der Wandel der Symbole in Antike und Renaissance. Übers. aus dem Engl.: Benjamin Schwarz. Köln: DuMont Literatur- und Kunst-Verl., 2002; Kurz, Gerhard: Metapher, Allegorie, Symbol. Göttingen, Niedersachs.: Vandenhoeck & Ruprecht, 2004.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1