Aliyan

Aliyan, allgemein mit „Allmächtiger“, „Sieger“ und „Machthaber“ übersetzt, wird oft als Attribut in der Mythologie des Baal von Ugarit verwendet. A. war ursprünglich aber wohl der ältere Gott. Er ist der Hüter der Quellen, der Brunnen und der unterirdischen Wasserläufe. Er lässt das Korn wachsen, kann aber auch Überschwemmungen verursachen. Seine Wohnung „Zebul“ befand sich anfänglich in den Tiefen der Erde. Als Quellengott ist er zugleich auch Meeresgott.
In der Götterwelt der Kanaaniter ist die kriegerische Jungfrau Anath die Schwester, manchmal auch die Geliebte des Aliyan, wohl eine Erscheinungsform der > Astarte, die als Fruchtbarkeits- und Liebesgöttin der babylonischen > Ischtar oder der sumerischen > Inanna entspricht, welche in Babylonien und auch in Phönizien hohes Ansehen genoss.
Die Stadt Inannas ist Uruk und der Feind und Gegenspieler des > Baal und des Aliyan Baal ist > Mot oder, wie er später genannt wird, Molk, der über die ausgetrocknete Erde und das Reich des Todes regiert und zudem auch die Personifikation des Sommers und der Ernte ist.

Lit.: Dussaud, Renée: Les dâecouvertes de Ras Shamra (Ugarit) et l'Ancien Testament. Paris: P. Geuthner, 1941; Van der Toom, Karel / Becking, Bob / Van der Horst, Pieter W. (Hg.): Dictionary of Deities and Demons in the Bible (DDD). Second extensively revised edition. Leiden; Boston; Köln: Eerdmans; Brill, 1999, S. 18-20.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1