Ali

Ali, Sohn des Abu Tailib und ein leiblicher Vetter Muhammads, der ihn adoptierte. Er heiratete Fatima, Muhammads Tochter, und hatte drei Söhne von ihr, Hasan, Husain und Muhassin. Ali war der vierte und letzte der vier „rechtgeleiteten“ Kalifen (656-661). Nach dem Tod Muhammads weigerte er sich, die Wahl Abu Bakrs zum Kalifen und dessen Nachfolger Umar und Utman anzuerkennen. Vor allem soll er ihnen gegenüber seine Abneigung gegen jede Art politischer Praxis geäußert haben, die nicht seiner Auffassung von den Geboten des Korans und der Sunna des Propheten entsprach. In diesen Auseinandersetzungen um das Kalifat verlor Ali jedoch zusehends an Ansehen und Macht und fiel schließlich in Kufa im Alter von 59 Jahren dem Dolch des Charidschiten Ibn Muldscham zum Opfer; er starb am 21.01.661.
Um seine Grabstädte nahe Kufa ist später die Stadt Nagaf entstanden, die einen der bedeutendsten schiitischen Wallfahrtsorte darstellt und wo sich bis heute fromme Schiiten begraben lassen. Für die Schiiten ist Ali nämlich der durch Koran und Hadith legitimierte rechtmäßige Nachfolger des Propheten, also der erste Imam, und somit der bedeutendste Muslim nach Muhammad. Die Sunniten weigern sich hingegen, Abu Bakr, Umar und Utman als Usurpatoren anzusehen, verehren Ali jedoch als hervorragenden Prophetengefährten und rechtmäßig gewählten Kalifen.
In der Schi’a und im Sufismus wird kein Mensch höher verehrt als Ali, da er als Träger der geheimen Offenbarung des Propheten als erster „Imam“ erscheint. Wie Jesus ist er in den Himmel aufgefahren, von wo er wieder erwartet wird.

Lit.: Enkiri, Gabriel: Les deux hâeros de l'Islam: Ali-Hussein. Beyrouth: Editions Dar al-Kitab Allubnani, 1969.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1