Alfarabi

Alfarabi (870-950), Kurzname des legendären arabischen Musikers, Philosophen und spirituellen Lehrers Abu-Nasr-Mohammed-Ibn-Tarkan. A. wurde in Othrar in Kleinasien geboren und erhielt von seinem Geburtsort die besser bekannten Bezeichnungen Farabi oder Alfarabi. Obwohl er türkischer Abstammung war, zog er zur besseren Kenntnis des Arabischen nach Bagdad, wo er sich eingehend mit den griechischen Philosophen befasste, und später nach Ägypten. Während seiner Wanderungen kam er mit den wichtigsten Philosophen seiner Zeit in Kontakt und schrieb selbst Bücher zu Philosophie, Mathematik, Astronomie und anderen Wissensgebieten, wobei er gleichzeitig sieben Sprachen lernte. Seine Abhandlung über Musik, in der er den Zusammenhang von Klang und atmosphärischer Vibration aufzeigte und die pythagoreische Theorie der Sphärenmusik kritisierte, erlangte einige Bedeutung.
Amüsant ist die Begebenheit, wie er die Gunst des Sultans von Syrien gewann. Dieser hatte gerade eine Gruppe von Wissenschaftern und Astrologen bei sich, als A. sich ihm vorstellte. Ohne Kenntnis der höfischen Gepflogenheiten setzte er sich einfach auf das königliche Sofa, worauf der Sultan einem seiner Höflinge in einer wenig bekannten Sprache gebot, den Sonderling fortzuschaffen. A. aber erwiderte in eben derselben Sprache: „Mein Herr, wer überstürzt handelt, bereut auch schnell!“ Der Sultan war überrascht und informierte sich nun über seine Kenntnisse. Als er etwas Musik wünschte, griff A. zur Laute und spielte so einfühlend, dass alle zu Tränen gerührt waren. Schließlich versetzte er mit einem Schlummerlied den gesamten Hof in Schlaf. Der Sultan ersuchte ihn, zu bleiben. Nach einigen Quellen soll A. das Angebot angenommen haben und in Syrien gestorben sein.
Die lateinische Übersetzung von De scientiis des A. durch Gerhard von Cremona wurde für die lateinische Philosophie des Mittelalters maßgebend für alle Fragen der Einteilung der Wissenschaften. A. hatte großen Einfluss auf > Avicenna. In seinen islamisch-idealistischen Spiritualismus nahm er platonische ebenso wie aristotelische Elemente auf.

Lit.: Farmer, Henry George: Al-Farabi': Arabic-Latin Writings on Music: in the Ihsa' al-ulum (Escorial Library, Madrid, No. 646), De scientiis (British Museum, Cott. Ms. Vesp. B.X., and Bibl. Nat., Paris, No. 9335), and De ortu scientiarum (Bibl. Nat., Paris, No. 6298, and Bodleian Library, Oxford, No. 3623), etc. / the texts ed., with transl. and commentaries by Henry George Farmer. New York; London; Frankfurt / M.: Hinrichsen, 1965; Steinschneider, Moritz: Al-Farabi (Alfarabius), des arabischen Philosophen Leben und Schriften, mit besonderer Rücksicht auf die Geschichte der griechischen Wissenschaft unter den Arabern. St. Petersburg, 1869. Repr. 1999 (Islamic Philosophy; 6).

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1