Alexius von Edessa

Alexius von Edessa, einer Legende aus dem 5. Jh. zufolge der Sohn des römischen Senators Euphemius und der Aglaja, verließ nach seiner Hochzeit die Eltern und die ihm angetraute Frau und floh nach Edessa, dem heutigen Urfa in der Türkei, wo er als Einsiedler in Armut lebte und schon bald hohe Verehrung genoss.
Nach einer Legende aus dem 10. Jh. lebte Alexius 17 Jahre als Bettler vor einer Kirche in Edessa. Als dem Küster durch ein Gesicht kundgetan wurde, dass dieser Bettler ein heiliger Mann sei, veranlasste er dessen Verehrung. Alexius floh jedoch und wurde durch einen Sturm nach Rom verschlagen, wo sein Vater den als Pilger Bettelnden nicht erkannte, ihn aber mildtätig in sein Haus aufnahm. 17 Jahre lebte er daraufhin geduldig und gottergeben unter der Treppe des Elternhauses, vom Gesinde mit Spülwasser übergossen. Sterbend gab er sich durch ein Schreiben zu erkennen. Zur größten Bestürzung und Betrübnis von Ehefrau und Eltern entzifferte der herbeigerufene römische Bischof das Schriftstück im Beisein der Kaiser Honorius und Arcadius. Alexius soll am 17. 7. 417 in Rom gestorben sein.
Die aus dem 4. oder 5. Jh. stammende syrische Version der Legende kennt den Namen A. nicht, sondern nennt ihn einfach "Gottesmann" und lässt ihn in Edessa sterben.
Alexius gehört jedenfalls seit jeher zu den meistverehrten Heiligen. Reliquien finden sich in Rom, in Prag-Brevnov und an anderen Orten. Im 17. Jh. wurde von Stefano Landi (1587–1639) zu einem vom späteren Papst Clemens IX. verfassten Libretto die Oper „Der heilige Alexius“ komponiert, die 1978 sogar bei den Salzburger Festspielen zur Aufführung kam.
Alexius ist Patron von Innsbruck und Schirmherr der Pilger, Bettler, Vagabunden und Kranken. Er soll vor Erdbeben, Blitz, Unwetter, Pest und Seuchen schützen. Die Bauernregel lautet: „Wenn Alexius verregnet heuer / werden Korn und Früchte teuer!“ Fest: 17. Juli, bei den Griechen 17. März, bei den Monophysiten in Syrien 12. März.

Lit.: Amiaud, A.: La légende syriaque de Saint Alexis, 1889; Konrad v. Würzburg : Das Leben des hl. A., hrsg. v. R. Henczynski, 1898; Lutsch, Erich: Die altfranz. Prosaversion der A.-Legende (Vie de Saint Alexis), krit. hrsg. mit Einl., 1913; Landi, S.: Il Sant’Alessio; Maryseult Wieczorek, Nicolas Rivenq, Christopher Josey, Patricia Petibon, Mhairi Lawson u. a., Les Arts Florissants, William Christie (1995). Erato/Warner 2 CD 0630-14340-2 (129’13”).

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1