Alexander von Hales

Alexander von Hales OFM, einer der größten Scholastiker, geboren um 1185 in Hales Owen (Shropshire), England, studierte in Paris und wurde noch vor 1210 Magister Artium. 1212 begann er das Studium der Theologie und unterrichtete von 1220-1222 als Professor an der dortigen Theologischen Fakultät. Beim großen Privilegienstreit zwischen Universität und König 1229-1231 gesellte er sich zu jener Gruppe, die nach Angers auszog. Im August 1230 wurde er in dieser Angelegenheit an die päpstliche Kurie in Rom berufen, wo er bis 1231 blieb. Dann kehrte er nach England zurück, um schließlich 1232 erneut seine Lehrtätigkeit in Paris aufzunehmen. 1236 trat er in den Franziskanerorden ein, dem er damit dessen ersten Lehrstuhl an der Pariser Universität, dem berühmtesten theologischen „Studium“ seiner Zeit, einbrachte. A. gilt als Gründer der Franziskanerschule. Seine Schüler waren Johannes de Rupella, Odo Rigaldis und der hl. Bonaventura. 1245 nahm er am Lyoner Konzil teil. Nach Paris zurückgekehrt, starb er am 21. August 1245.
Seine Hauptwerke sind: Sentenzenkommentar (entst. ca. 1223-1227); Questiones disputate (entst. um 1236); Summa theologica (Summa Halensis, 3 Bücher, entst. 1235-1243, mit späteren Ergänzungen).
In seiner Summa geht A. auch auf Grenzfragen ein. So versteht er die > Divinatio, die Weissagung, nicht nur als Erforschung der Zukunft, sondern auch als Beeinflussung derselben im positiven wie im negativen Sinn und gliedert sie daher in die Unterbegriffe: Mantik (Weissagung), Sortilegium (Wahrsagen), Augurium (Zeichendeutung), Praestigium (Gaukelei), Mathesis (Astrologie) und Maleficium (Verfluchung).
Diese Offenheit dem Unergründlichen gegenüber schlägt sich auch in seinem Verständnis der Philosophie nieder, deren Beitrag für A. nur eine Hilfe für die spekulative Wahrheitsfindung ist; die Wahrheit selbst werde dem Gläubigen jedoch durch die Offenbarung gegeben.

W.: Summa theologica seu sic ab origine dicta summa fratris Alexandri , Bde 1-4 (li.I-III). Ad Claras Aquas prope Florentiam Quaracchi, 1924-1948.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1