Alchemistische Symbole

Alchemistische Symbole zieren zahlreiche Bücher, besonders des 16. und 17. Jahrhunderts, mit einer Bilderwelt aus dem technischen und spirituellen Bereich der > Alchemie, die ihre Arbeit und Ziele oft in einer sehr plastischen und kosmologischen Form darstellt. Sie umschreibt den „alchemistischen Prozess“, der die materia prima in den > Stein der Weisen umwandelt, in den Stadien von Mischung (mixtura), Trennung (separatio), Vereinigung (coniunctio), Tod (mortificatio), Faulung (putrefactio), Verkalkung (calcinatio), Lösung (solutio), Bindung (coagulatio), Scheidung (destillatio) und Läuterung (sublimatio) in Verbindung mit den fünf Elementen Feuer, Wasser Luft, Erde und Äther sowie den kosmischen Prinzipien Schwefel (sulphur) und Quecksilber (mercurius) unter dem Einfluss der 5 bzw. 7 (mit Sonne und Mond) Planeten. All diese Zusammenhänge sind zudem noch eingebettet in eine philosophisch-religiöse Deutung von Natur, Tier, Mensch, Welt und Leben. Als die am häufigsten verwendeten Symbole zur Darstellung des alchemistischen Weltbildes lassen sich, alphabetisch gereiht, folgende nennen: Adler, Androgyn, Baum, Blei, Caduceus, Drachen, Einhorn, Fuchs, Gold, Hexagramm, Korallen, Kröten, Löwe, Mercurius, Mond, Ouroboros, Pelikan, Pentagramm, Pfau, Phönix, Quintessenz, Raabe, Saturn, Schlange, Schwert, Silber, Sonne, Sulphur, Taube, Trinität, Weintraube usw.
Diese vielfältigen Symbole fanden bis zur Trennung der Chemie von der Alchemie im 17. Jh. sogar Einzug in den kirchlichen Raum. Dann wurden sie von der Wissenschaft verpönt und nur mehr in okkultistischen Kreisen beachtet, bis im 20. Jh. die Psychologie, insonderheit jene C. G. Jungs, auf ihre psychologische Bedeutung aufmerksam machte.

Lit.: Jung, C. G.: Mysterium Coniunctionis: Untersuchungen über die Trennung und Zusammensetzung der seelischen Gegensätze in der Alchemie / Marie-Louise von Franz [Mitarb.]. Zürich; Stuttgart: Rascher, 1968 (C. G. Jung, Gesammelte Werke; 14/1); Musaeum Hermeticum Reformatum et Amplificatum / Einführung von Karl R. H. Frick, M. D. Graz: Akadem. Druck- u. Verlagsanstalt, 1970; Biedermann, Hans: Medicina magica: metaphysische Heilmethoden in spätantiken und mittelalterlichen Handschriften. Graz: ADEVA, 1972; Biedermann, Hans: Materia Prima: eine Bildersammlung zur Ideengeschichte der Alchemie. Graz: Verlag für Sammler, 1973; Savickas, A lfonsas: The Concept of Symbol in the Psychology of C. G. Jung. Innsbruck: Resch, 1979; Biedermann, Hans: Handlexikon der magischen Künste: von d. Spätantike bis zum 19. Jahrhundert; Bd. 1-2. 3., verb. u. wesentl. verm. Aufl. Graz: ADEVA, 1986; König, Ditte:Die Alchimisten. Time-Life Books Inc., 1991; Wörterbuch der Symbolik / Unter Mitarbeit zahlr. Fachwissenschaftler hg. von Manfred Lurker. 5., durchges. u. erw. Aufl. Stuttgart: Kröner, 1991.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1