Albigenser

Albigenser. Bezeichnung der Angehörigen der katharerischen Diözese Albi bei Toulouse in Südfrankreich und als solche oft fälschlich als Synonym für die > Katharer verwendet. Allerdings war die Bezeichnung „Albigenser“ schon im 12. Jh. sowohl für Ketzer schlechthin als auch für die Katharer des Languedoc gebräuchlich. Um 1150 gründeten nämlich Gruppen, die aus > Waldensern und Katharern bestanden, von Nordfrankreich aus bei Albi ein Bistum und fanden wegen ihrer asketischen Reinheit großen Zulauf. Sie folgten zunächst dem gemäßigten Dualismus der gnostischen Gruppen der Altbogomilen (> Bogomilen) und > Paulicianer, die im bulgarischen Teil Thrakiens verbreitet waren. Auf dem Katharer-Konzil von St. Félix-de-Caraman (1167) wurden die Albigenser vom Bogomilen-Bischof Niketas für die radikaldualistische Lehre der Kirche von Dragowista in Thrakien (Bulgarien) gewonnen, der sich auch die neu gegründeten katharerischen Bistümer Agen, Carcassonne und Toulouse anschlossen. Neben der dualistischen Glaubensvorstellung der radikalen Katharer vom Kampf eines guten (Gott) und eines bösen (Satan) Prinzips, von der Verführung und dem Sturz der Engel sowie deren Erlösung aus den Banden der Materie (Leib des Menschen) auf den ihnen vom zur Erde herabgestiegenen Engel Jesus aufgezeigten Weg zur Vervollkommnung, deren Verwirklichung auch eine Reihe von Seelenwanderungen erfordern kann, übernahmen die Albigenser auch in Kult, religiöser Praxis und Lebensführung die allgemein-katharerischen Normen, bestanden aber in ihrem Kirchenverständnis auf ihrer Unterschiedlichkeit den anderen Katharer-Gruppen gegenüber.
Ihre öffentlichen Streitgespräche mit der katholischen Kirche führten zur Ermordung des päpstlichen Legaten Peter von Castelnau (1208) und daraufhin zum Albigenser-Kreuzzug (1209–1229). Seit 1231 durch die Inquisition in den Hintergrund gedrängt, verloren sie noch im 13. Jh. ihre Bedeutung. Kleine Gruppen retteten sich jedoch in abgelegene Gegenden und trotzten der Inquisition bis in das 14. Jahrhundert.
Neben den oben genannten dualistischen Vorstellungen und der Seelenwanderung vertraten die Albigenser auch die Ansicht, dass eine Erlösung nur möglich sei, wenn in der Todesstunde die Geisttaufe (Consolamentum) vollzogen werde. Die einfachen Anhänger konnten auf diese Gunst hoffen, wenn sie die Vollkommenen (perfecti) materiell unterstützten.
Die bei der Verfolgung der Albigenser gemachten Erfahrungen trugen dazu bei, dass es zur Verfolgung der > Hexen kam. Schon 1260 gestand Papst Alexander IV. den Inquisitoren zu, sich auch mit den Hexen zu befassen, weil man festgestellt hatte, dass es in den Sekten auch Frauen gab, und man daraus den verhängnisvollen Schluss zog, dass es sich bei den Hexen um eine organisierte Sekte handelte.

Lit.: Borst, Arno: Die Katharer: Geschichte und Glaube der Albigenser oder westlichen Bogomilen: (c. 1000-1320 n. Chr.). Göttingen, 1951; Hahn, Christoph Ulrich: Geschichte der Neu-Manichäischen Ketzer: quellengemäß bearbeitet; mit einer Karte über den Schauplatz des Albigenserkriegs. Neudr. der Ausg. Stuttgart 1845. Aalen: Scientia Verl., 1968; Pierre des Vaux-de-Cernay: Kreuzzug gegen die Albigenser: die „Historia Albigensis“ (1212-1218). Erstmals aus dem Lat. ins Dt. übertr., hrsg. und mit einem Nachw. vers. von Gerhard E. Sollbach. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1996; Oberste, Jörg: Der „Kreuzzug“ gegen die Albigenser: Ketzerei und Machtpolitik im Mittelalter. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2003.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1