Akupunktur

Akupunktur (lat. acus, Nadel; punctum, Stich). Chinesische Behandlungsmethode (Zhen-Jiu = Stechen und Brennen) zur Diagnose und Heilung von Krankheiten durch Einstechen von heißen und kalten Nadeln an bestimmten Körperstellen, den sog. Akupunkturpunkten, wobei man die Lebensenergie des Patienten, die als „Qi“ (auch Chi) den Körper in zwölf Hauptleitbahnen (> Meridiane) durchfließt, zu vermindern oder zu vermehren sucht. Mit dieser Reizung bestimmter Körperpunkte, von denen man zwischenzeitlich mehr als 2000 unterscheidet, soll eine Störung im Leitsystem im Sinne des > Yin-Yang behoben werden.
Geschichte
Geschichtlich entstand das Verfahren aus der einfachen Behandlung druckschmerzhafter Methoden der Köperoberfläche (ca. 4000-3000 v. Ch.). Unter Beteiligung bedeutender chinesischer Ärzte wurde ein ausgeklügeltes System der Diagnostik und Therapie entwickelt, das in den bis heute maßgebenden Werken, dem Huang-Di Nei-Jing (zweibändiges Lehrbuch des Gelben Kaisers) aus der frühen Han-Dynastie (200 v. Chr.-9 n. Chr.), dem angeordneten Klassiker der Akupunkturforamina von Huang Fu-Mi (259 n. Chr.) und dem anatomisch-topographisch völlig korrekten > Kupfer-Menschen beschrieben ist.
Nach weiteren Berichten soll die A. wahrscheinlich auf der Erfahrung beruhen, dass durch Pfeile verletzte Soldaten plötzlich von Leiden und Schmerzen geheilt wurden. Um 1000 v. Chr. wurde die A. mit Steinsplittern auch zur > Dämonenaustreibung praktiziert. Um 200 v. Chr. wurden dann Vorstellungen der Philosophen > Laotse (um 600 v. Chr.) und > Konfuzius (551-478 v. Chr.) in die Medizin aufgenommen, wonach > Dao (auch „Tao“), das Absolute, die polaren Größen > Yin und > Yang hervorbringe, deren Gleichgewicht zum harmonischen Fluss von Qi und somit zur Gesundung führe. In der Tang-Dynastie (618–906 n. Chr.) geriet die A. gänzlich in Vergessenheit, während in der nachfolgenden Sung-Dynastie (960-1279) sogar Lehrstühle dafür errichtet wurden. Im Westen blieb die A. ohne Beachtung, obwohl die Jesuiten im 17. Jh. in China studierten und im Westen darüber berichteten. In dieser Zeit wurde auch der Begriff „Akupunktur“ geprägt. Ernsthaftes Interesse kam im Westen aber erst um 1950 auf, und zwar zunächst nur bei jenen, die sich mit Naturheilkunde befassten. Dann allerdings fand die A. allgemeine medizinische Beachtung.
Formen
Dies führte zu einer Reihe von Anwendungsformen: Körperakupunktur, Gesichts-, Nasen- und Kopfakupunktur, Hand- und Fußakupunktur sowie Barfußarzt-Akupunktur. Dabei werden 1011 Akupunkturforamina und -punkte genannt, die anatomisch exakt lokalisierbar sind: 659 Körperpunkte (Meridian-, Zusatz- und Neupunkte), 192 Ohrpunkte, 24 Gesichtspunkte, 23 Nasenpunkte, 30 Kopfpunkte, 18 Hand- und 32 Fußpunkte, 18 Sexualpunkte sowie 15 Barfußartztpunkte.
Zu den genannten Techniken gesellten sich noch die Elektro-, Injektions- und Laserakupunktur. Die Akupunkt-Impulstherapie, die Akupunktmassage, Farbakupunktur, Mundakupunktur, Vaginalakupunktur und Yamamo-to-Schädelakupunktur werden hingegen weniger eingesetzt.
Anwendung
Die klassische A. wird bei mehr als 100 Erkrankungen angewendet, während die neurophysiologisch orientierte A. nur bei Schmerzsyndromen und funktionellen Erkrankungen mit Störungen vegetativer Vorgänge zum Einsatz kommt.
Verbreitung
Die A. gehört zu den meistverbreiteten medizinischen Behandlungsmethoden, wenngleich die Ursachen des Effekts noch nicht völlig abgeklärt sind, zumal eine Reihe von psychischen Faktoren, wie positive Erwartung und Suggestion mit einfließen, was zu individuell verschiedenen Erfolgen führt. Der heilende Effekt ist anerkannt. Die Behandlung kann auch durch Verbrennen von Kräuterkegeln auf der Haut, durch > Moxibustion durchgeführt werden.

Lit.: Kubiena, Gertrude: Handbuch der Akupunktur: der chinesische und der moderne Weg. Wien: Orac, 1991; Stux, Gabriel / Stiller, Niklas / Pomeranz, Bruce: Akupunktur – Lehrbuch und Atlas. Berlin: Springer-Verlag, 51999.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1