Akhlat

Akhlat (arab., „Essenz“). Die Lehre von den vier A. oder Essenzen (Blut-, Phlegma, Galle und melancholische Essenz), die von > Avicenna (+ 1037 n. Ch.) in seiner 18-bändigen medizinischen Enzyklopädie in Anlehnung an Hippokrates behandelt werden, bildet die Grundlage der Medizin der > Sufis. Nach der Verdauung im Magen erfolgt die zweite Verdauung in der Leber. Von dort gelangen die wertvollen Nahrungsstoffe als Blutessenz (Eigenschaften: heiß und feucht) über das Herz in den Blutkreislauf. Bei der dritten Verdauung, nämlich der restlichen Nährungsstoffe, werden die weniger wertvollen Anteile zur Phlegmaessenz (kalt und feucht), die durch die gewöhnliche Verdauung in Schleim, Speichel, Magensaft und Bauchspeichel umgewandelt wird. Die verbleibenden Nahrungsstoffe werden zur Gallenessenz (heiß und trocken), die ihre Wirkung im Dünndarm entfaltet und auch das Blut beeinflusst. Die Rückstände der Nahrungsstoffe werden schließlich in die melancholische Essenz (kalt und trocken) umgewandelt, die in Milz und Blut übergeht und sich mit der Phlegmaessenz vermischt. Ein Ungleichgewicht in der Verteilung der Essenzen, insbesondere ihrer Eigenschaften, führt zu Krankheit.

Lit.: Avicenna: Abvalj Ibn-Tsina Qui hactenus perperàm dictus est Avicenna Canon Medicinñ. Interprete [et] Scholiaste Vopisco Fortunato Plempio. Lovanii: Hieronymus Nempñus, 1658; Hippocrates: On Humours, and, Hippocrates: On Nutriment. Cambridge: W. Heffer and Sons Ltd. [for] Cambridge Middle East Centre, 1971.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1