Akasha-Chronik

Akasha-Chronik (sanskr.-griech.). Von Rudolf > Steiner (1861–1925) geprägte Bezeichnung für „Weltchronik”, „Weltgedächtnis“ in Ausweitung der Bedeutung von > Akasha, dem Weltäther, als Aufzeichnungsmedium des gesamten Weltgeschehens. Alles Geschehen hat sich dem Weltengrund eingeprägt und kann durch einen Forscher mit „höheren Organen“ in diesem Weltgedächtnis wiedergefunden werden. Nach Steiners Ausführungen in Aus der Akasha-Chronik (1904) und in Geheimwissenschaften im Umriss (1910) habe er das ganze historische Panorama der Welt-, Erd- und Menschheitsgeschichte aus dem Weltäther abgelesen. Aus dieser Quelle wollen H. P. > Blavatsky und W. > Scott-Elliot ihre Kenntnisse vom > hyperboräischen Kontinent, von > Lemuria und > Atlantis erhalten haben.
Der Gedanke eines Weltgedächtnisses klingt jedoch bereits in den Vorstellungen einer > anima mundi bei Platon (Timaios), Plotin, Ficinus und Paracelsus, dem Vehikel-Verständnis der Luft bei > Agrippa von Nettesheim, dem Astral-Licht von Eliphas > Levi (1810–1875), dem > Liber Mundi der Rosenkreuzer (1614), dem "kosmischen Reservoir" von William > James (1842–1910) und dem Telefonanschluss mit dem Absoluten von Eduard von > Hartmann (1842–1906) an.
Die Geistwesen, die alle Geschehnisse in die Chronik schreiben, werden Lipika (sanskr. lip, schreiben) genannt. Die Vorstellung von der A.-Ch. hat auch in die neuere Esoterik Einzug gehalten. So wollen der Heiler > Daskalos (Markides) und die Autorin P. McLean ihr Wissen aus der A.-Ch. geschöpft haben.

Lit.: Fama Fraternitatis RC. Cassel, 1614; Agrippa von Nettesheim: De occulta philosophia. Remagen: Otto Reichl, 1967; Steiner, Rudolf: Aus der Akasha-Chronik. Dornach 1939, 1985; Markides, Kyriacos C.: Der Magus von Strovolos. München: Droemer Knaur, 1988; McLean, Penny: Zeugnisse von Schutzgeistern. München: Erd, 1989; Ruppert, Hans-Jürgen: Kritik der Esoterik und des New Age aus christlicher Sicht. In: Grenzgebiete der Wissenschaft 41 (1992) 4, 329–338; Miers, Horst E.: Lexikon des Geheimwissens. München: Goldmann, 1993.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1