Aius Locutius

Aius Locutius, auch Aius Loquens (lat. aio, ich bejahe, und loqui, sprechen, wörtl. „der ansagende Sprecher“). Römischer Gott, der sich angeblich im Jahr 390 v. Chr. bei den Römern als > Direkte Stimme meldete, um sie vor den einbrechenden Galliern zu warnen. Man schenkte ihm jedoch keine Beachtung. Später bat man den göttlichen A. mit der Errichtung eines Tempels am Ort der Offenbarung um Verzeihung. Götter wie A. und Rediculus (vom lat. redeo, zurückkommen; ein Gott, der bei seinem einmaligen Auftritt Hannibal zum Rückzug zwang und daher ein Heiligtum erhielt) wurden von dem Bonner Religionshistoriker Hermann Usener im 19. Jh. als > Augenblicksgötter bezeichnet. In den betreffenden Tempelbauten darf ein früher Versuch gesehen werden, Paranormales durch Einbindung in das Pantheon aufzufangen.

Lit: Stowasser, J. M.: Lateinisch-Deutsches Schulwörterbuch. Wien, 1969; Usener, Hermann: Götternamen. Frankfurt am Main: Klostermann, 2000.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1