Ainu

Ainu. Die A., ein Jäger- und Fischervolk, sind die Ureinwohner Japans, die ab dem 7. Jh. nach Norden vertrieben wurden und heute noch in Hokkaido im nördlichen Japan, auf den Kurilen und im südlichen Sachalin leben. Kaum einer ist noch reinrassig. In der Neuzeit sind sie auch zu Ackerbau übergegangen. In ihrer Religion, kultisch auf Männer beschränkt, gibt es ein höchstes Wesen, „Himmelsgott“, „Stützpfeiler“, „unser Ernährer“ oder „Wiege“ genannt. Er wohnt angeblich im höchsten Himmel. Viele kleinere Gottheiten, darunter auch ein böser Gott, der Tod und Krankheiten geschaffen hat, bevölkern die unteren Regionen. Die Hauptmerkmale der Religion mit stark animistischen Zügen sind die Ahnenverehrung, der Versuch, die bösen Kräfte günstig zu stimmen, der Glaube an ein künftiges Leben und das letzte Gericht vor Gott, bei dem die Feuergöttin, die unter dem Herd ihren Palast hat, als Hauptzeugin fungiert. Die Männer verehren die männlichen, die Frauen die weiblichen Ahnen. Es gibt auch männliche und weibliche > Schamanen. Die A. rufen ein Heer von Göttern und > Geistern an. Gegen das Treiben der > Dämonen erfleht man sich Hilfe vom Himmelsgott, wenngleich man deren Macht gelegentlich zum Schaden anderer zu gebrauchen sucht. Von den fünf Weltschöpfungsmythen schreiben drei die Schöpfung dem höchsten Gott zu. Die Welt der Menschen wurde aus einem Urmorast geformt.

Lit.: Adami, Norbert Richard: Verzeichnis der europäischsprachigen Literatur über die Ainu. Wiesbaden: Harrassowitz, 1981; Adami Norbert R.: Religion und Schamanismus der Ainu auf Sachalin. München: Iudicium, 1991; Leroi-Gourhan, Arlette und André: Eine Reise zu den Ainu: Hokkaido 1938. Zürich: Ammann, 1995.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1