Aides

Aides, genauer Haides, gebräuchlicher Hades, auch Aidoneus, griech. Name des Unterweltgottes, der in der römischen Mythologie > Pluto entspricht. Das Wort A. bedeutet „unsichtbar“ und „vernichtend“. A. ist der Sohn von > Chronos (Kronos), der personifizierten Zeit, und der Rhea sowie der Ehemann von Persephone. Bei der Aufteilung der Welt durch Chronos erhält A. die Unterwelt, während seinen Brüdern > Zeus und > Poseidon die anderen Regionen anvertraut werden. A. herrscht mitleidlos in seinem Palast über die Seelen der Toten. Wer sein Haus betritt, darf nie mehr zurück. Herakles wagt jedoch den Kampf gegen A. und verletzt ihn so sehr, dass dieser sich auf dem > Olymp heilen lassen muss.
Vor > Homer erschien A. als eine Art Gegenstück zu seinem Bruder Zeus, quasi als „Schattenzeus“ (Hunger, 183), und er steht auch im Schatten seiner Gemailin Persephone, der eigentlichen Regentin über das Totenreich. Ursprünglich spielte A. wohl die Rolle, die später > Hermes als Psychopompos übernaim, d. h. er führte oder entführte die Seelen in die Unterwelt.
Als Torwächter am Eingang seines unterirdischen Palastes hatte A. die Funktion, den bei ihm eingetroffenen Seelen den Rückweg abzuschneiden.
Ferner wird mit A. die Unterwelt selbst bezeichnet, und auch Tod und Grab werden A. genannt.

Lit.: Hunger, Herbert: Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Wien: Verlag Brüder Hollinek, 81988; Jung-Stilling, Johann Heinrich: Geister, Gespenster und Hades. Siegen: Jung-Stilling-Ges., 1993.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1