Ahasver

Ahasver. Zu rastlosem Wandern Verurteilter. Der Name Ahasver(osch) für den Perserkönig Xerxes (486-465 v.Chr.) stand bei den Juden vom Buch Ester her in übelstem Andenken. Nach rabbinischer Auslegung ist A. ein Mann des Unheils. Der Ausdruck, dessen Etymologie unsicher ist, wurde schließlich zur Symbolbezeichnung für den „ewigen Juden“. Seit etwa 1602, dem Erscheinungsjahr des Traktats „Kurtze Beschreibung und Erklärung von einem Juden mit Namen Ahasver“, trägt der zu ewiger Wanderung verurteilte Jude in der Volkssage diesen Namen. Vorformen finden sich bei Roger de Wendower, Mönch von St. Alban, 1235, und bei italienischen Chronisten des 13. Jh.s ( hier unter dem Namen Cartaphilus). Durch das deutsche Volksbuch (man kennt über 50 Auflagen) ist die Geschichte von A. zur Berühmtheit gelangt. Einem Schuhmacher zu Jerusalem, der über Jesus das „Kreuzige“ gerufen und ihm auf dem Weg nach Golgatha roh eine Ruhebank verwehrte, habe Jesus zugerufen: „Ich werde ruhen, du aber sollst gehen, bis ich wiederkomme.“ Der Volksglaube hielt und hält bis in die Gegenwart an dieser Sagengestalt fest und sieht darin die Tragik des jüdischen Volkes, das nicht zur Ruhe komme. Diese Vorstellungen haben auch in Volksbräuchen ihren Niederschlag gefunden. In Tirol schlugen Holzfäller mit der Axt fünf Kreuze in die Strünke gefällter Bäume, damit der ruhelose Wanderer dort ausruhen könne – ein Brauch, der auch als Schaffung eines Ruheplatzes für die von der > Wilden Jagd verfolgten „Holzweiblein“, weibliche Naturgeister des Waldes, erklärt wurde.

Lit.: Dudulaeus, Chrysostomus: Warhafftige Contrafactur ... von einem Juden von Jerusalem Ahasverus. Augsburg: [s.n.], 1618; Kurtze Beschreibung und Erzehlung von einem Juden, mit Namen Ahasverus. Leyden: [s.n.], 1602; Schmidt, Arno: Das Volksbuch vom Ewigen Juden. Danzig: Kafemann, 1927; Zirus, Werner: Ahasverus: der ewige Jude Berlin [u. a.]: de Gruyter, 1930.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1