Agnes von Orlamünde

Agnes von Orlamünde. Angeblich geb. Herzogin von Meran und Gattin Ottos II. von Orlamünde, der im Jahre 1284 (nach anderen Quellen 1280, 1298, 1340) starb und Agnes mit zwei Kindern zurückließ. Sie verliebte sich in der Folge in Albrecht den Schönen, Markgraf von Brandenburg. Dieser aber erwiderte ihre Liebe nicht, sondern meinte, danach befragt: „Ja, wenn vier Augen nicht wären“. Agnes bezog diese Aussage auf ihre beiden Kinder, entschied sich im Kampf zwischen Mutterliebe und der Liebe zu Albrecht für Letzteren und ließ die Kleinen nachts von ihrem Jäger erschießen. Als Albrecht von der grausamen Tat erfuhr, war er entsetzt und ließ mitteilen, dass er mit den vier Augen die ihrigen und seine eigenen gemeint habe, die nicht zusammenpassen würden. Agnes verfiel daraufhin in Schwermut und tiefe Reue und ging langsam einem frühen Tod entgegen. Zur Strafe für ihre Untat irrte sie in stiller Nacht umher, an den Orten, wo sie einst gelebt, auf der Plassenburg und um die zerfallenen Burgtrümmer Orlamündes, ein blasses Weib in weißem, wallenden Gewand, ruhelos, auf der Suche nach ihren ermordeten Kindern. So wurde sie schließlich als „Weiße Frau von Orlamünde“ zu einer der bekanntesten deutschen Sagengestalten, die in mehreren Varianten vorliegt. Nach einer anderen Sage habe Agnes die Kinder selbst getötet und sei dann als Büßende nach Rom gepilgert, wo sie – unter der Bedingung, dass sie ein Kloster stifte – die Absolution erhielt. Das habe die Gräfin auch getan, dann aber trat sie in das Kloster Himmelskron ein, in dem ihre Kinder beigesetzt wurden. Dort sei sie als Äbtissin gestorben und begraben worden.
Die > Weiße Frau wurde so zum Symbol der Buße für schwere Vergehen, der Ankündigung dunkler Ereignisse und der Wiederkehr nach dem Tode. Ein Thema, das zahlreiche Beschreibungen gefunden hat.

Lit.: Kraußold, L.: Die weiße Frau. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken 1 (1869), 1-48; Kügler, H.: Die Sage von der Weißen Frau. In: Mitt. d. Ver. f. die Geschichte Berlins 45 (1928), 57-96 (Lit.); Deutsche Sagen / hg. von den Brüdern Grimm. Sonderausg., Ausg. auf der Grundlage der 1. Aufl. Frankfurt am Main: Dt. Klassiker-Verl., 1999, S. 585.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1