Agnes, hl.

Agnes, hl. Römische Märtyrerin. Ihr Gedächtnistag (21. Jan.) ist in der Depositio Martyrum von 354 erwähnt. Fraglich ist, ob sie ein Opfer der Verfolgung unter Decius (249-251), Valerian (253-260) oder Diokletian (284-305) war. Sie soll im 13. Lebensjahr für den Glauben und die Reinheit ihr Leben gelassen haben. Bezüglich ihrer Todesart, ob Verbrennung oder Enthauptung, gehen die Berichte auseinander. Über ihrem Grab an der Via Nomentana ließ Kaiser Konstantin eine Basilika errichten. In der altchristlichen Kunst wird A. mit einem Lamm (agnus) dargestellt, ein Motiv, das in der jährlichen Segnung zweier Lämmer am Agnestag in der Basilika weiterbesteht, aus deren Wolle das Pallium, heute ein weißes mit schwarzen Kreuzen versehenes Band, für Papst, Patriarchen und Erzbischöfe gefertigt wird. Bis zur Verleihung der Pallien am Fest Peter und Paul (29. Juni) werden dieselben in einer Nische über dem Petrusgrab aufbewahrt und so zu Berührungsreliquien. Das Pallium war ursprünglich ein vom Kaiser verliehenes Würdezeichen, das der Papst selbst trägt und das dieser spätestens seit 500 kirchlichen Würdenträgern verleiht.
Der Agnestag war zudem noch mit anderen Bräuchen verbunden. So glaubten heiratsfreudige Mädchen, in der Nacht zum Agnestag ihren zukünftigen Gatten im Traum zu erblicken. Am Agnestag sollen auch die Vögel heiraten, die Bienen ausschwärmen, und die Neujahrswünsche werden bis zu diesem Tag angenommen.

Lit.: Nork F.: Der Festkalender. Stuttgart, 1847, S. 15/16; Stritzky, Maria Barbara v.: Agnes. In: Lexikon für Theologie und Kirche. Bd. 1. - Freiburg: Herder, 31993; Becker-Huberti, Manfred: Lexikon der Bräuche und Feste. Freiburg: Herder, 2000; S. 13-14.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1