Aghorî

Aghorî. Eine Klasse shivaistischer Asketen, auch Aghorapanthî genannt, sind die Nachfolger des Ordens der Kapalika oder „Schädelträger“. Der Name A. wurde mit „nicht schreckend“ (a-ghora) übersetzt. Ausgangspunkt ihrer Lehre ist der bei den Asketen der indischen Ureinwohner weitverbreitete Symbolismus des „Friedhofs“ und der „Leichen“. Der Friedhof versinnbildlicht die Totalität des psychomentalen Lebens, das vom Ichbewusstsein genährt wird; die Leichen symbolisieren die verschiedenen Sinnes- und Geistestätigkeiten. Diesen Symbolismus haben nun die A. manchmal auf materielle Weise interpretiert. Sie aßen aus menschlichen Schädeln, hielten sich häufig auf Friedhöfen auf und pflegten noch zu Ende des 19. Jhs. den Kannibalismus. Sie nähren sich von Unreinheiten aller Art und von jeder Fleischsorte außer Pferdefleisch, um alle natürlichen Gelüste und Neigungen auszurotten. Die Einverleibung von Schmutz aller Art mache den Körper fruchtbar und den Geist zu jeder Meditation fähig. Es gebe weder Gutes noch Böses, weder Angenehmes noch Widerwärtiges. Für die A. gibt es auch keine Unterschiede der Kasten und Religionen; die Eltern sind reiner Zufall. Sie gliedern sich in zwei Gruppen: suddha (die Reinen) und malin (die Schmutzigen).

Lit.: Barrow, H. W.: On Aghorîs and Aghorapanthîs. Proceedings of the Anthropological Society of Bombay 3 (1893), 197-251.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1