Affe

Affe (griech. pithekos, lat. simia). Symboltier, das wegen seiner Beweglichkeit und Intelligenz, aber auch seiner Hinterlist, Geilheit sowie seines Nachahmungstriebes und Geizes wegen seit alters her mit besonderen Bedeutungen verbunden wird. In der Frühzeit gab es sogar einen Paviangott, der „Große Weiße“ (Hez-ur) genannt, der hockend, mit erigiertem Phallus und häufig mit der Mondscheibe auf dem Kopf, als Verkörperung des Mondgottes > Toth verehrt wurde. Dieser galt als Schutzpatron der Schreiber und als Herr der heiligen Schriften. Über der Ausflussöffnung von Wasseruhren sitzende Affen versinnbildlichen Thot als Gott der Zeitrechnung. In > Indien wurde der Affengott > Hanuman verehrt, der im Epos > Ramayana als mächtiger Helfer und Minister des > Rama auftritt. Auch in China wurden dem A. große Ehren zuteil. Familien führten ihre Abkunft auf Affen zurück, die Menschenfrauen entführt und mit ihnen Kinder gezeugt haben sollen. In der chinesischen Astrologie ist der Affe das 9. Tierkreiszeichen und entspricht somit dem > Schützen. Ein Kalendersymbol ist der A. auch in den altmexikanischen Kulturen (> Azteken).
Berühmt wurden die drei Affen vom „Heiligen Stall“ in Nikko, Japan, von denen der eine sich die Augen, der andere die Ohren und der dritte den Mund zuhält. Sie galten als Boten, die den Göttern über die Menschen berichten sollten und daher als eine Art > Abwehrzauber gegen das Ausspähen stumm, taub und blind dargestellt wurden. Heute werden sie als Sinnbild des weisheitsvollen und glücklichen Lebens, auch im Umgang mit Menschen, gedeutet: nichts sehen, nichts hören, nichts reden, was unzutreffend ist; denn die eigentliche Bedeutung lautet: „Nichts Böses sehen, hören und sprechen“. Besonders bekannt ist die Beziehung des A. zur > Sonne. Bei bildlichen Darstellungen findet sich die aufgehende Sonne von Pavianen umgeben, die sie mit erhobenen Vorderpfoten begrüßen.
„Affe“ galt und gilt aber auch als Schimpfwort und Symbol für Bösartigkeit, Dummheit und hässliches Aussehen. So tritt der A. in der christlichen Bilderwelt und Literatur als Karikatur des Menschen, als Symboltier für Laster und Eitelkeit (mit einem Spiegel in der Hand), für Geiz und für den Teufel auf. Mit einer Kette gefesselt stellt er meist den überwundenen Satan dar.
Auch in der Tiefenpsychologie hat der A. als Zeichen von Unsicherheit, Unverschämtheit, Minderwertigkeit und Aufruhr fast ausschließlich negative Bedeutung. Und in deutschen Volkssagen erscheinen Geister des öfteren in Affengestalt, insbesondere der Teufel, den schon > Wierus einen „Affen Gottes“ nennt.

Lit.: Biedermann, Hans: Knaurs Lexikon der Symbole. – Augsburg: Weltbild-Verl., 2000; Wedemeyer, A.: Das japanische Drei-Affen-Symbol und der Koshin-Tag. Jahrbuch d. Mus. f. Völkerkunde Leipzig, 16 (1958); Wierus, Ioannes: De praestigiis demonum. – Amsterdam: Bonset, 1967. Dr. d. Ausg. 1578. Bonnet, Hans: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. – 3. unveränd. Aufl. – Berlin: Walter de Gruyter, 2000.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1