Ätna

Ätna (griech. Aitne; lat. Aetna), mit etwa 3.330 bis 3.340 Metern der höchste aktive Vulkan Europas. Er liegt im Nordosten der süditalienischen Insel Sizilien, rund 25 km nordwestlich der Stadt Catania.
Wegen seiner häufigen Ausbrüche – sein erster Ausbruch ist historisch für 1226 v. Chr. belegt, sein letzter erfolgte am 13. September 2004 – unterliegt er ständigen Veränderungen.
Nach antiker Überlieferung soll der Ä. nach der Tochter des > Uranos und der > Gaia benannt worden sein. Nach einer anderen Version ist Ä. jedoch die Tochter des hundertarmigen Aegaeon, die von > Ceres und > Vulcanus beim Streit um den Besitz der Insel zur Schiedsrichterin erwählt wurde.
Unter dem Berg lag der Gigant > Typhon begraben. Er trat der Sage nach am thrakischen Berg Haimon > Zeus entgegen. Dieser jagte Typhon nach Süden zum Meer vor Italien, packte eine Insel und schleuderte sie über ihn. Die Insel wurde später an ihrer neuen Stelle unter dem Namen Sizilien bekannt und Typhons Feueratem wurde zum Ätna, denn er war unsterblich und kein Tod konnte ihn erlösen. Wenn Typhon sich regt, kommt es auf Sizilien zu Erdbeben. Sein Schnauben äußert sich als Austritt von Rauch und sein gespieenes Feuer dient, einer jüngeren Sage zufolge, dem unter dem Berg hausenden > Hephaistos und seinen Gehilfen, den > Kyklopen, als Esse zum Schmieden der Donnerkeile für Zeus.
Ferner wird berichtet, dass in der Gegend um den Ä. der Zeus Aitnios herrschte. Im 5. Jh. v. Chr. produzierte ein unbekannter Künstler ein Meisterwerk: die Aetna Tetradrachme, von der ein einziges Exemplar mit dem Bild des Zeus Aitnios und eines > Silenos gefunden wurde. Die Fähigkeit des Künstlers, der gute Zustand und die Geschichte, die diese Münze darstellt, machen sie zur teuersten und wertvollsten der Welt.
Im MA erscheint der Ä. in der Artussage als Paradies, als Ort der > Bergentrückung des Königs > Artus. In den weitaus meisten Zeugnissen aber, vielleicht nach antiker Mythologie, ist der Ä. der Eingang zur Hölle bzw. erscheint als Aufenthalt der Abgeschiedenen in höllischer Natur.

Lit.: Bräuner, Johann Jacob: D. Johann Jacob Bräuners Physicalisch- und historisch-erörterte Curiositäten, oder, Entlarvter teufflischer Aberglaube von Wechselbälgen, Wehr-Wölffen, fliegenden Drachen, Galgen-Männlein, Diebs-Daumen, Hexen-Tantz, ... also fürgestellet und erläutert: was von solchen Sachen zu halten und zu glauben ist: auch bey jedem Capitel einige rare und recht wunderwürdige Historien ... zu nützlicher Erbauung und Zeitkürtzung in 50 curiosen Materien fürgestellet. Franckfurth am Mayn: Jung, 1737; Hamilton, William: Beobachtungen über den Vesuv, den Aetna und andere Vulkane: in e. Reihe von Briefen an d. Königl. Großbr. Ges. d. Wiss. Nachdr. d. Ausg. Berlin, Haude u. Spener, 1773; Vergilius Maro, Publius: Aetna. Hg. und übers. von Will Richter. Berlin: de Gruyter, 1963; Kerényi, Karl [Hg.]: Auf Spuren des Mythos. München; Wien: Langen Müller, 1967; Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie / W. H. Roscher. [Im Verein mit Th. Birth ...]. Nachdr. Hildesheim u. a., o. J.; . Weinheim: VCH, 1985; Vogl, Hubert: Italische Wohnsitze der Götter: Aetna, Cumae, Eraclea Minoa, Filicudi, Ischia, Li Galli, Monte Cicero, Monte Soracte.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1