Aethyr

Aethyr, eine „jenseitige“ oder höhere Dimension („Oberreich“, astrale Ebene), die in visionärer oder schamanischer Form bereist werden kann. Diese Vorstellung geht auf den englischen Philosophen, Mathematiker und Astrologen, den Universalgelehrten Dr. John > Dee (1527–1608), zurück, der 1581 mit spiritistischen Experimenten begann, um mit Engeln in Kontakt zu treten. Sein wissenschaftliches Ziel war es, ein tieferes und vollständigeres Wissen über das Universum zu erhalten. Da er selbst nicht medial begabt war, arbeitete er mit dem berüchtigten Medium Edward > Kelly zusammen. Diesem wurden angeblich von Engeln das henochische System und 19 Schlüssel in einer Sprache diktiert, die sie „Engelssprache“ nannten. Da Dee um seinen Ruf fürchten musste, falls seine magischen Aufzeichnungen in falsche Hände gerieten, versteckte er die Manuskripte unter dem doppelten Boden einer Kiste, wo sie Jahrzehnte später von Elias > Ashmole gefunden wurden und dann erst wieder in dem 1888 in England gegründeten magischen Orden, dem „Hermetic Order of the Golden Dawn“ (> Hermetischer Orden der Goldenen Dämmerung), auftauchten, in dem das Fundament, welches Dee legte, zu einem komplexen und vielschichtigen System mit 30 Aethyren ausgebaut wurde. Der erste Mensch, der alle 30 Aethyre bereiste und seine Erfahrungen auch niederschrieb, war Aleister > Crowley. Sein Werk Liber CDXVIII The Vision and The Voice beschreibt seine Visionen und auch, wie er diese erlangt hat.

Lit.: Crowley, Aleister: Die Vision und die Stimme: Liber XXX aerum vel saeculi CCCCXVIII; dies ist der Ruf der 30 Aethyre / von Aleister Crowley. Übers. und kommentiert von Marcus M. Jungkurth. Bergen / Dumme: Kersken-Canbaz, 1993; Regardie, Israel: Das magische System des Golden Dawn, 3 Bde. Freiburg: Bauer, 1995.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1