Äthiopien

Äthiopien (griech. aithiopia, "verbrannte Gesichter"), war in der klassischen Antike der Name für Afrika südlich von Ägypten, z. T. für ganz Ostafrika, und ist jetzt die Bezeichnung des Reiches, das im Altertum im Gebiet des heutigen Eritrea und Tigre entstand und auch Abessinien (aus dem arab. al-Habašah) genannt wird. Aufgrund der geographischen Lage an der Seehandelsstrasse zwischen Ägypten und Indien war die Prägung durch afrikanische Elemente erstaunlich gering. Hingegen gab es einen starken arabischen und insbesondere griechischen Einfluss, während über die Religion der Agaw, der ehemaligen Bewohner des Landes, wenig bekannt ist.
Heute hat das Land ein Fläche von 1,1 Mio. km2 und zählt 66 Millionen Einwohner mit insgesamt 70 Sprachen, darunter Oromiffa, Amharisch und Englisch.
An Religionen finden sich in Ä. Autochthones, Christentum, Islam und Judentum. Die Religion der Ureinwohner besteht in der Hauptsache im Ahnenkult und in der Verehrung eines unbekannten „großen Geistes“, der den Regen spendet. Die Galla kennen einen Himmelsgott Waq, daneben gute und böse Geister, auch heilige Tiere wie Hyäne, Schlange, Krokodil und Eule.
Die Bekenner des Judentums sind die so genannten Falascha mit Schriften in Geez. Das Christentum fand im 4. Jh. durch die Mission der möglicherweise aus Syrien stammenden Brüder Frumentius und Aedesius Eingang. Um 500 wirkten die „9 Heiligen“, die angeblich das äthiopische Christentum dem > Monophysitismus zuführten. Im Laufe der Jahrhunderte verfiel die äthiopische Kirche mehr und mehr durch christologische Streitigkeiten. Sie stand in einem losen historischen Abhängigkeitsverhältnis zur > koptischen Kirche Ägyptens, entwickelte sich dann 1951 zu einer „autokephalen Kirche“ und hat sich seit 1959 mit dem Patriarchen „Katholikos“ an der Spitze verselbständigt. Eine große Rolle spielen die Klöster als religiöse Zentren. Der seit dem 8. Jahrhundert eingedrungene Islam macht in neuerer Zeit vor allem im äthiopischen Heidentum Fortschritte.

Dank der relativen Isolierung Ä. konnten sich religiöse Anschauungen aus römischer und byzantinischer Zeit bis zur Neuzeit halten.

Lit.: Heyer, Friedrich: Die Kirche Äthiopiens: Eine Bestandsaufnahme. Berlin: de Gruyter, 1971; Bartnicki, Andrzej: Geschichte Äthiopiens: von d. Anfängen bis zur Gegenwart; in 2 Teilen. In dt. Sprache hg. von Renate Richter. [Aus d. Poln. übers. von Waldemar Hein]. Berlin: Akademie-Verlag, o. J.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1