Äquatortaufe

Äquatortaufe oder Linientaufe (engl. baptism of the line), weltweit übliches Ritual von Seeleuten, wenn ein Besatzungsmitglied oder ein Passagier zum ersten Mal den Äquator überquert. Der Täufling wird dabei von (einem verkleideten) > Neptun gereinigt, erhält einen see- oder wetterbezogenen Scherznamen und eine Urkunde. Um 1557 segelte Jean de Léry von Frankreich nach Brasilien und berichtete von der Überquerung des Äquators: „Als wir den Gürtel der ganzen Welt überfuhren, haben die Schiffsleute mit großer Festlichkeit ihren Brauch gepflegt. Sie banden diejenigen, die zuvor diese Linie noch nicht überquert hatten, an ein Seil und warfen sie vom Schiff ins Wasser, wo die Taufe erfolgte.“ Wegen der vielen Unfälle wurde die Taufe in dieser Form offiziell verboten. Die Zeremonie findet heute an Deck eines Schiffes statt. Es handelt sich dabei um eine Art Initiationsritual, jedoch nicht im religiösen Sinn. In der Berufsschifffahrt ist die Ä. nur noch selten anzutreffen. Das Ritual, das auch sehr ausgiebig gestaltet werden kann, hat heute lediglich Unterhaltungscharakter.

Lit.: Léry, Jean de: Brasilianisches Tagebuch 1557. Tübingen: Erdmann, 1967; ders.: Histoire d’un voyage fait en la terre du Brésil (1578). Genève: Droz, 1975. 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1