Ägyptisches Totenbuch

Ägyptisches Totenbuch. 1842 veröffentlichte C. R. Lepsius in deutscher Sprache eine aus verschiedenen Zeiten stammende Textsammlung, der er den noch heute gültigen Namen „Ägyptisches Totenbuch“ gab. François > Champollion nannte diese Sammlung „Begräbnisritual“. Die von den Ägyptern verwendete Bezeichnung „Sprüche vom Herausgehen am Tage“ ist vielleicht noch treffender. Lepsius nummerierte die Schriften mit Kapitel 1-165, eine Einteilung, die heute noch verwendet wird. Sie verläuft jedoch selten nach einem bestimmten System. So gibt es in den früheren Manuskripten Texte, die später nicht mehr vorkommen, und umgekehrt. Um nun die Ordnung der Totenbücher der Spätzeit aus dem Neuen Reich und der Dritten Zwischenzeit zu übertragen, führten die Ägyptologen Edoard Naville und Wallis Budge die Nummerierung von Lepsius bei den anderen Schriften des Neuen Reiches bis „Kapitel 190“ fort.
Der Korpus stammt von den Sargtexten des Mittleren Reiches und erscheint erstmals auf Särgen und Leichentüchern der königlichen Familien der 17. Dynastie. Unter der Bezeichnung „Buch vom Durchwandeln der Ewigkeit“ wurden Totentextsammlungen der späten Ptolomäer- und der frühen Römerherrschaft in die Totenliteratur aufgenommen, um den Verstorbenen einen sicheren Übergang in das Nachleben zu garantieren. Zu diesen Texten gehören auch die vorwiegend an den Innenwänden der Särge und Grabkammern angebrachten „Sargtexte“ sowie das „Zweiwegebuch“, die Karte und die Begleittexte, vornehmlich am Boden, zum Passieren der Widerstände gegen das Ewige Leben.
Vom Neuen Reich an bis in die griechische Zeit wurden Texte in mehr oder weniger großer Zahl auf Papyri geschrieben, die dann direkt oder in Kästchen in die Gräber, die Sarkophage oder auch zwischen die Mumienbinden gelegt wurden. Die Papyri variieren sowohl in Zahl und Auswahl der Formeln als auch nach den Vignetten, die diese illustrieren.
Die Texte sind meist Exzerpte eines umfangreichen Materials über Unterweltfahrt und Totengericht. Sie beschreiben die Reise der > Seele nach dem Tode, das > Totengericht, und das Leben im > Iaru-Gefilde. Sie enthalten zahlreiche Sprüche, um die > Uschebti zu beleben, Opfergaben zu empfangen, zu essen und zu trinken, frische Luft zu atmen, die Welt der Lebenden zu besuchen, am Abend in die Barke des Re zurückzukehren und sich gegen Krokodile und alle Arten von Monstern, die das Jenseits bevölkern, zu verteidigen.

Lit.: Budge, Ernest A. Wallis: A Hieroglyphic Vocabulary to the Book of the Dead. London, 1911. New York: Dover Publ., 1991. Lepsius, C. R: Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien. Leipzig: Nicolai, 1897; Rachet, Guy: Lexikon des alten Ägypten. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1999. Kolpaktchy, Gregoire: Ägyptisches Totenbuch. München; Wien: Barth, 1991.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1