Ägyptisches Bilsenkraut

Ägyptisches Bilsenkraut (Hyoscyamus muticus L.). Pflanze aus der Familie der > Nachtschattengewächse (Solanaceae), die Wüstengebiete bevorzugt und in Ägypten bis hin zum Sudan sowie in Syrien, Afghanistan, Pakistan und Nordindien anzutreffen ist. Mit ihrem alten ägyptischen Namen sakran wird das Kraut als „das Trunkene“ bezeichnet. Noch heute wird die Pflanze in Ägypten als Heil- und Rauschmittel geschätzt, während sie in Arabien, wo sie „die Berauschende“, sekaran, heißt, von Kriminellen zur Berauschung der von ihnen anvisierten Opfer benutzt wird (Rätsch 1998, 274). Die aus dem antiken Griechenland bekannte Pflanze namens > Nepenthes wurde u. a. auch als Ä. B. gedeutet (Rätsch 1998, 275, 613). Im heutigen Griechenland wird das Ä. B. zur „Drachenpflanze“, Pitonionka. Es wirkt nicht nur am meisten berauschend von allen Hyoscyamus-Arten, sondern führt auch zu Halluzinationen, Koordinationsstörungen, Ideenflucht und Delirium. Aus Indien sind Fälle bekannt, bei denen der Genuss des Krautes Schwachsinn, Tanzwut und Exhibitionismus hervorrief (Rätsch 1998, 276). Benutzt werden Blätter und Samen, die frischen Blätter auch als Pflaster, während die getrockneten Blätter und Samen ein beliebter Räucherstoff sind.
Von allen Bilsenkraut-Arten kann das Ä. B. den höchsten Alkaloidgehalt vorweisen, der in den Blüten am stärksten konzentriert ist. Pharmazeutisch und ökonomisch gesehen rangiert es von allen Bilsenkraut-Arten heute an erster Stelle.

Lit.: Rätsch, Christian: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Mit e. Vorwort v. Albert Hofmann. Aarau, CH: AT, 1998; Wulle, Stefan: 50 Jahre DFG-Sondersammelgebiet Pharmazie: Bilsenkraut und Bibergeil; zur Entwicklung des Arzneischatzes. Braunschweig: UB, 2001.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1