Ägyptische Mysterien

Ägyptische Mysterien. Als ä. M. bezeichnete man Feste, die einerseits öffentliche Veranstaltungen beinhalteten, an denen man die Taten der Götter nachspielte, insbesondere aber > Rituale, die im geheimen Teil der Tempel stattfanden. Diese Feste waren im Allgemeinen den Leiden des > Osiris, der Suche der > Isis und den Kämpfen zwischen > Horus und > Seth gewidmet. Unter anderem spielte man auch den Tod des Osiris und seine Wiederauferstehung nach. Es soll sogar Schauspielertruppen gegeben haben, die im Lande umherzogen, um nach Art eines Mysterientheaters die Göttergeschichten nachzuspielen, die sich vor allem mit der Erschaffung der Welt und der Vorstellung von Leben und Tod befassten. Die Themen sind überaus reich an magischen Vorstellungen, wie etwa dem Sonnenmythos, dem Mythos des > Skarabäus, der am Himmel umherirrt, sowie des jungen Horus, der aus einer Lotusblume geboren wurde, gegen die > Schlange kämpfte und auf dem Rücken seiner Mutter, der Himmelskuh, die Menschen verließ. Zu den ältesten Darstellungen höherer Wesen gehören der Falke Horus, der Hund > Anubis, der Ibis > Toth, das > Krokodil Thebens, die Kuh > Hathor und viele andere. Zu Beginn der ersten Dynastie nahmen Falken und Fische menschliche Züge an. Am Ende der zweiten Dynastie erschienen die ersten Abbildungen von Menschenkörpern mit den Köpfen der alten Totems, wobei einige Totems dann als Götter verehrt wurden. So wurde seit der Zeit von König Ptolemaios im Tempel des > Ptah der > Stier angebetet.
Berichte über die ägyptischen Mysterien übten schließlich im 18. Jh., namentlich in England, auf die > Freimaurer besonderen Einfluss aus, die wiederholt ihre Abstammung auf die ägyptischen Mysterien zurückzuführen suchten. Daher auch die häufigen Anklänge an dortige Bräuche und Baustile, was besonders in Text und Szenenbild von Mozarts „Zauberflöte“, in Logennamen (Isis, Osiris, Pyramide, Horus, Sphinx u. a. ) sowie in der Ausstattung mancher Freimaurertempel zum Ausdruck kommt. > AMORC machte aus diesen Ideen einen regelrechten Kult, indem man teils Passwörter einzelner Grade auf ägyptische Wortwurzeln zurückführte.

Lit.: Eliade, Mircea: Geschichte der religiösen Ideen. Bd. 2. Freiburg: Herder, 1987, S. 249-253; Lennhoff, Eugen: Internationales Freimaurerlexikon. Überarb. u. erw. Neuaufl. d. Ausg. v. 1932. München: Herbig, 2000; Rachet, Guy: Lexikon des alten Ägypten. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1999.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1