Ägomantie

Ägomantie (griech. aix, aigòs: Ziege; aram. aic). > Weissagung durch > Ziegen. Der Name ist vermutlich eine Neubildung aus dem 16. Jh. (Bulengerus, 215) zur Bezeichnung einer von Tertullian (Apologet. 23) und Clemens von Alexandria (Protr. 2, 11, 6) erwähnten Form der Weissagung durch Ziegen. Die Ziegen wurden wie Raben zur Weissagung abgerichtet, schrieb ihnen doch das Altertum, wie vielen anderen Tieren, die Fähigkeit zu, Hungersnöte, Erdbeben, Wetter, Ernteausfall und vieles mehr anzukündigen. Sie spielten auch im > Delphischen Orakel ein Rolle. Lange vor der Besiedlung Delphis grasten Ziegen um den Erdspalt herum: jede Ziege, die in den Erdspalt hineinschaute, verfiel in ein wunderliches Springen und stieß ungewöhnliche Laute aus. Als der Hirte dem nachgehen wollte und in den Spalt sah, erhielt er die Kraft der Weissagung ebenso wie alle anderen, die hineinblickten.

Lit.: Bulengerus: Opusc. (1621); Claudius Aelianus Werke, übers. von Dr. Wunderlich. Stuttgart, 1839; Aelianus, Claudius: Claudii Aeliani varia historia / edidit Mervin R. Dilts. 1. Aufl. Leipzig: Teubner, 1974; Rosenberger, Veit: Griechische Orakel: eine Kulturgeschichte. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2001.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1