Aegidius

Aegidius, hl., Abt, Fest: 1. September; angeblich in Athen geboren, lebte als Einsiedler in einer Einöde bei Arles, gründete um 680 vor der Rhonemündung ein Kloster, dem er als Abt vorstand und das später nach ihm Saint-Gilles benannt wurde. Er starb um 720. Sein Grab, am Jakobsweg gelegen, war im Mittelalter ein berühmter Wallfahrtsort. Der Hauptteil seiner Reliquien kam schon im Mittelalter nach Saint-Sernin in Toulouse. Abgebildet im Gewand eines Benediktinerabtes mit Pfeil und Hunden, umgibt ihn ein reicher Legendenkranz. So soll ihm eine Hirschkuh in der Einsiedelei die Milch gegeben haben. Weil er Gott bat, die Hirschkuh möge ihm erhalten bleiben, wurde er im ausgehenden Mittelalter zum Patron der stillenden Mütter. Die einst vom westgotischen König Wamba und seinem Jagdgefolge verfolgte Hirschkuh führte den König zur Höhle des Heiligen. Der abgeschossene Pfeil traf jedoch nicht die Hirschkuh, sondern den Heiligen. So wurde er auch zum Viehpatron. Wegen der Hilfe aus seelischer und leiblicher Not wurde er zu einem der 14 Nothelfer und zum Patron zahlreicher Kirchen.

Lit.: Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. 1. Bd. Berlin: W. de Gruyter, 1987; Nied, Edmund: Heiligenverehrung. Freiburg i. Br.: Herder, 1924, S. 60.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1