Adoption

Adoption (lat.), Annahme an Kindes statt. Der meistverbreitete Brauch in diesem Zusammenhang ist die Nachahmung der leiblichen Geburt. Als > Hera auf Wunsch des > Zeus den > Herakles adoptieren sollte, legte sie sich auf ihr Ehelager, nahm ihn an ihren Körper und ließ ihn durch ihre Kleider zu Boden gleiten. Im MA wurde diese Form der Adoption auch von Männern geübt. Als der Fürst von Edessa Balduin adoptierte, presste er ihn an seinen nackten Leib. Zu den weiteren Adoptionsformen gehört auch die Handauflegung und das Zusammenbinden mit einem Gürtel. In der > Freimaurerei bezeichnet A. den Brauch, Kinder von Freimaurern in einer besonderen Zeremonie unter den Schutz der Loge zu stellen, wobei das Mindestalter mit 7 Jahren festgelegt ist. Da die Freimaurer ursprünglich (1717) ein reiner Männerbund waren, was zu allerlei Missdeutungen führte, suchte man diesen durch Gründung von > Adoptionslogen, d. h. Frauenlogen, zu begegnen, die den Männerorden mehr oder weniger unterstanden. Durch die Gründung der Gemischten FM stellten die Frauenlogen ihre Tätigkeit praktisch ein.

Lit.: Diodor 4, 39; Lennhoff, Eugen; Posner, Oskar; Binder, Dieter A.: Internationales Freimaurerlexikon. Überarb. u. erw. Neuaufl. d. Ausg. v. 1932. München: Herbig, 2000; Liebrecht, Felix: Zur Volkskunde: Alte und neue Aufsätze. Heilbronn: Henninger, 1879, S. 432; Mellor, Alec: Logen, Rituale, Hochgrade. Graz: Styria, 1967.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1