Aderlasszettel

Aderlasszettel. Die A., kurz Lasszettel genannt, die als Kalender und Einblattdrucke, oft in plumper und drastischer Form und Ausführung zu Tausenden verbreitet wurden, enthielten das wesentliche astronomische Gedankengut in Bezug auf Gesundheit und Krankheit, insbesondere auch zur zeitgerechten Durchführung des Aderlasses. Bei schwerer Krankheit ebenso wie bei leichten Unpässlichkeiten, vor lebenswichtigen Operationen und schweren Geburten wurde vorerst der Lasszettel zu Rate gezogen, denn - so sagte ein Sprichwort: „Wenn die Anatomie das rechte Auge der Medizin ist, dann ist die Astrologie ihr linkes.“ Von größter Wichtigkeit war dabei die Kenntnis des Mondstandes zu Beginn einer Erkrankung. Die Lasszettel gaben auch wichtige Hinweise über das Alter des Patienten und sein Temperament, über Brechmittel, Abführmittel, über Bäder, Haarschneiden, Zahnziehen, Kinderentwöhnen, Hochzeiten, Schuldenzahlen. Trotz herber Kritik bis zu bissigem Spott, selbst von Anhängern der Astrologie, konnten die manchmal lebensbedrohlichen Auswüchse nicht gänzlich ausgerottet werden.

Lit.: Schmidt, Philipp: Astrologische Plaudereien: Geschichte, Wesen und Kritik der Astrologie. Bonn: Verlag der Buchgemeinde Bonn, 1950, S. 94-98.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1