Ackergauchheil

Ackergauchheil (lat. anagallis arvensis), eine überall häufig vorkommende Heilpflanze, deren zinnoberrote, selten auch blaue kleine Blüten sich nur bei Sonnenschein öffnen und bei bewölktem Himmel sowie bei bevorstehendem Regen schließen, weshalb sie auch Schönwetterblümchen genannt wird. Die Pflanze ist ein altes Heilmittel bei Wasserscheu.
Andere volkstümliche Namen der Acker- und Wegesrandpflanze, wie Vernunft und Verstand, Geckenheil, Narrenheil und Wuthkraut, weisen auf ihre alte Bedeutung als Mittel gegen Geisteskrankheiten, etwa Schwermut, Tollheit und Raserei, hin. Das Pulver der Wurzel soll Epilepsie vertreiben. Fuchs schreibt: "Diese kreuter haben die alten aberglaubischen Teutschen Gauchheyl darumb geheyssen, wo mans im eingang des vorhofs auffhencke, das sie allerlei gauch und gespenst vertreibe” (Fuchs, 6).
Neben vielen anderen ihm zugeschriebenen Wirkungen, wie etwa bei Augenkrankheiten (Plinius, XXV, 145; Fischart, 193), ist das A. auch ein "Wundtkreutlin", denn “der Safft in die Wunden gethan / säubert dieselbigen” (Tabernaemontanus, 1093).

Lit.: Fischart, J.: Onomastica duo. I. Philosophicum, Medicum, Synonymum ex variis vulgaribusque linguis. II. Theophrasti Paracelsi: h.e. earum vocum, quarum in scriptis ejus solet usus esse, explicatio. Argentorati 1574; Fuchs, Leonhart: New Kreutterbuch. Basel, 1543; Marzell, Heinrich: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. Bd. 1. Leipzig: Hirzel, 1943; Marzell, Heinrich: Neues Illustriertes Kräuterbuch. Reutlingen, 1921, ³1935; Most, Georg F.: Encyklopädie der Volksmedizin. Graz: ADEVA, 1984; Plinius, C. Secundus: Naturalis historiae libri XXXVII. Hg. v. Lud. Jan und Carol. Mayhoff. Lipsiae 1892 bis 1898; Tabernaemontanus, Jac. Theod.: New Kreuterbuch. 1731.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1