Ackerbau

Ackerbau. Der A. ist eine der ältesten Wirtschaftsformen und umrankt von einer Fülle von Vorstellungen. Die Abhängigkeit von Naturgewalten führte zu einem breitgefächerten Geisterglauben. Die guten Vegetationsgeister entwickelten sich zu Ackerbaugottheiten, wie der Himmelsgott > Djanus und die Mutter Erde, > Prithivi in Indien, > Jupiter, > Terra und > Ceres bei den Römern, > Donar und > Wodan bei den Germanen. Die Sorge um Sicherheit und Ertrag führte zu einer Reihe von Schutzriten, insbesondere durch Umhertragen von Götterbildern, Umschreiten des Ackers in Schweigen und Gebet, im christlichen Brauch durch Segnung der Felder zu bestimmten Anlässen und Festen wie dem Dreikönigsfest. In Ex 23, 16 erhalten die Israeliten den Auftrag, das Fest der Ernte beim ersten Ertrag und bei der Lese am Ende des Jahres zu feiern. In der Katholischen Kirche haben sich in verschiedenen Gegenden die Feldprozessionen zu den Quatembertagen, die Kräuterweihe am 15. August und das Erntedankfest eingebürgert. In den Ev. Gemeinden wird der Erntedank am 29. September (Michael) bzw. am darauffolgenden Sonntag gefeiert. Die mit dem A. verbundenen magischen Bräuche reichen von der Zauberabwehr mittels Wasser und Feuer, vom Vergraben von Eiern und Tierknochen bis zur Ertragssteigerung durch Abhaltung des „Brautlagers“ auf den Feldern. Eine Wöchnerin hingegen schadet dem A. und eine Leiche, die über den A. getragen wird, nimmt den Erntesegen weg.

Lit.: Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. 1. Bd. Berlin: W. de Gruyter, 1987; Mannhardt, Wilhelm: Antike Wald- und Feldkulte. Berlin: Borntraeger, 1905; Rantasalo, Aukusti Vilho: Der Ackerbau im Volksaberglauben der Finnen und Esten, mit entsprechenden Gebräuchen der Germanen verglichen. Helsinki: Suom. Tiedeakat, 1919.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1