Achtheit

Achtheit. Symbolisch-kosmologischer Begriff aus den Priesterschulen der altägyptischen Stadt Chemenu (heute arab.: Eschmunên), hellenistisch > Hermopolis, Stadt der Acht. In der Kosmogonie von Hermopolis wurde die Qualitätslosigkeit der Urmaterie durch Aufspaltung in ihre Elemente aktiv gemacht, wobei gleichzeitig eine Personifizierung der mit der Aufspaltung gewonnenen Wesenheiten in ein männlich-weibliches Dualsystem erfolgte: > Nun und > Naunet symbolisieren das Urwasser in männlicher und weiblicher Form, > Heh und > Hehet den endlosen Raum, > Kek und > Keket die Finsternis, > Amun und > Amaunet das Verborgene (die Leere). Diese Achtheit brachte Lebewesen in Gestalt von Fröschen und Schlangen hervor, die im Urschlamm lebten, aus dem sich der Urhügel erhob. Die Priesterschaft von Theben, die einen solchen Platz für Amun nicht annehmen konnte, bemächtigte sich der Achtheit und erfand eine Schlange, eine Erscheinungsform des Amun, genannt > Kematef. Die Schlange starb, nachdem sie die Schlange Itra geboren hatte, eine andere Escheinungsform des Amun, welche die Achtheit schuf. So bildete die Priesterschaft aus Theben die Wiege der Götter der Achtheit, die, nachdem sie zur Durchführung ihres Schöpfungsaktes nach Hermopolis gegangen waren, angeblich nach Theben zurückkehrten, um auf dem Hügel von Dijeme (Medinet Habu) zu sterben. Dort wurden sie noch am Ende der griechischen Zeit verehrt. Die Achtheit weist schließlich auch auf die allgemeine Bedeutung der > Acht hin.

Lit.: Rachet, Guy: Lexikon des alten Ägypten. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1999; Hornung, Erik: Der Eine und die Vielen: ägyptische Gottesvorstellungen. Darmstadt: Wissenschaftl. Buchges., 51993.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1