Achillea

Achillea, Pflanzengattung, zu der die in der Volksheilkunde beliebte Schafgarbe (Achillea millefolium L.) gehört, eine in Europa häufig vorkommende Wiesen- und Wegesrand-Pflanze aus der Familie der Korbblütler mit matt-weißlichen Blüten und vollem, würzigem Duft. Die zahlreichen alten Namen der Schafgarbe, wie etwa > Ambrosia, weisen auf ihre traditionelle Bedeutung hin. Die vielseitig verwendete Heilpflanze wird in den berühmten Kräuterbüchern und naturgeschichtlichen Schriften vergangener Jahrhunderte durchgängig erwähnt, so schon in der Antike bei > Dioskurides (Materia Medica) und > Plinius (Naturalis Historiae), bei > Hildegard von Bingen im 12. Jh. (Physica), im > Hortus Sanitatis (germanice) (1485), bei Hieronymus > Bock (New Kreütter Buch, 1539), Leonhart > Fuchs (New Kreutterbuch, 1543), > Lonicerus (Naturalis historiae, 1551), Caspar > Ratzenberger (Herbarium, 1598) u. v. a. Garbe, Röllike (schwed. röllika), Katzenschwanzl, Lämmerschwanz, Gänsezunge, Hunderippe, Bauchwehkraut, Pestilenzkraut, Pissblum, Sichelkraut, Wundkraut und Blutkraut sind einige der vielen auf Form oder Anwendungsmöglichkeit weisenden Namen für das gern von Schafen gefressene Kraut. Oft wird die Schafgarbe auch zur Hasengarbe. Wegen ihrer fein zerteilten Blätter heißt sie weiter Tausendblatt (lat. millefolium) oder Hundertblatt.
Warum die “tausendblättrige” A. ihren lat. Namen von dem Helden des Trojanischen Krieges, > Achilleus, erhalten hat, steht in Zusammenhang mit ihrer Bedeutung als ausgezeichneter Wundpflanze. Achilles galt als unverwundbar, da ihn seine Mutter, die Seegöttin Thetis, in den Fluss > Styx getaucht hatte. Der einzig wunde Punkt blieb die Achilles-Ferse, an der ihn seine Mutter gehalten hatte. Hier war es die A., die > Aphrodite erfolgreich empfahl, um die Wunde zu schließen. Ob allerdings die Schafgarbe mit der antiken A. gleichzusetzen ist, bleibt offen.
Bis in die Neuzeit hinein ist die Schafgarbe eines der wichtigsten Wundheilmittel geblieben. In Griechenland ist es immer noch Sitte, die frisch zerstoßenen Blätter auf Wunden und Quetschungen aufzulegen. Der Tee aus der Heilpflanze wirkt blutdrucksenkend, harndesinfizierend, entzündungswidrig und krampflösend. Er ist eine Hilfe bei Rheumatismus, Arthritis, Magen- und Gallenbeschwerden. Hildegard von Bingen beschreibt sie als Heilmittel bei inneren Verletzungen, Fieber und Schlaflosigkeit (Physica I, 113). Die Pflanze ist auch als ein gutes Frauenheilkraut bekannt. Sie enthält viele Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide und Mineralien, besonders Kalium. Außerdem wird aus der A. wertvolles blaues, Azulen enthaltendes > Schafgarbenöl gewonnen.
Der A. millefolium werden auch geistervertreibende und vor bösem Zauber schützende Kräfte zugeschrieben. Auch Blitze sollen mit ihrer Hilfe abgehalten werden. Für die Slowenen dagegen ist sie eine Zauberkräfte verleihende Pflanze. Aus Irland und England ist die Bedeutung der Schafgarbe im Liebesorakel bekannt. So soll sie etwa einem Mädchen über die Treue ihres Liebhabers Auskunft geben können oder, unter das Kopfkissen gelegt, ihm den zukünftigen Ehemann im Traum anzeigen.
A. (Achillea sp.) gehört zu den Blumen, die Verstorbenen auf ihre Reise mitgegeben werden (Rätsch 1998, 231).

Lit.: Marzell, Heinrich: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. Bd. 1. Leipzig: Hirzel, 1943; Müller-Ebeling, Claudia u. a.: Hexenmedizin. Aarau, CH: AT, ²1999; Rätsch, Christian: Heilkräuter der Antike in Ägypten, Griechenland und Rom. Mythologie und Anwendung einst und heute. München: Eugen Diederichs, 1995; Rätsch, Christian: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Aarau, CH: AT, 1998; Vickery, Roy: A Dictionary of Plant-Lore. Oxford University Press, 1995.

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1