Acheropita

Acheropita (griech., "nicht von Menschenhand gemacht"; engl. acheropite). Von einem solchen Acheropita-Bild wird zum ersten Mal 574 berichtet. In diesem Jahr wurden nach dem Bericht des Historikers Georgios Kedremos die Acheropita aus Kamulia in Kappadokien und Stücke des wahren Kreuzes aus Apameia in Syrien nach Konstantinopel gebracht. Bei den Byzantinern spielte das nicht von Menschenhand gemachte Christusbild eine große Rolle. Es wurde in verschiedenen Schlachten als Fahne vor den Truppen hergetragen. Noch vor 705, also vor Beginn des zweiten Regierungsabschnittes Kaiser Justinians II., verschwand das Bild, das nach seinem Ursprungsort „Kamuliana“ genannt wurde. Es soll nach Rom gekommen und in der Cappella Sancta Sanctorum im Lateran vor den byzantinischen Beamten versteckt worden sein. Die „Acheropsita“ des Laterans sei nämlich nichts anderes als die byzantinische „Acheropita“. Nach der Einnahme Konstantinopels 1204 durch die Kreuzfahrer war die „Acheropsita“ des Laterans nicht mehr gefährdet und wurde daher nach St. Peter gebracht, was spätestens unter Innozenz III. (1198-1216) geschehen sei, wo sie zur „römischen Veronica“ wurde. Dante berichtet davon in Paradiso XXXI, Verse 103-109. Im Heiligen Jahr 1300, wenn nicht schon früher, wurde sie einem großen Publikum gezeigt, und von da an in jedem Heiligen Jahr bis 1600. Beim Abriss des zweiten Teils der Peterskirche 1608, bei dem auch die Kapelle abgetragen wurde, in der die Veronika [aus dem griechischen Wort eikon (Bild) und dem lateinischen Adjektiv vera (wahr), also das „wahre Bild“] aufbewahrt war, verschwand das Bild aus Rom und tauchte dann im dem Abruzzen-Städtchen Manoppello bei Pescara auf, wo es 1638 den Kapuzinern übergeben wurde und seit 1646 als Volto Santo zur öffentlichen Verehrung ausgestellt ist. Es handelt sich dabei um ein feines durchsichtiges Leinentuch von 24 x 17,5 cm mit dem Abbild eines männlichen Antlitzes, das wie bei einem Dia von der Vorder- und Rückseite betrachtet werden kann. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass sich das Antlitz der Veronika mit dem Antlitz auf dem Grabtuch von Turin deckt.

Lit.: Pfeiffer, Heinrich W.: Die römische Veronika. In: Grenzgebiete der Wissenschaft; 49 (2000) 3, 225–240; Schlömer, Blandina P.: Der Schleier von Manoppello und das Grabtuch von Turin. Innsbruck: Resch, 1999. Resch, Andreas: Das Antlitz Christi. Innsbruck, Resch, 22006
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   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1