Abdalan-i Rum

Abdalan-i Rum (Rum Abdallari), „die Verrückten Ostroms“, Derwische, die in Tierfelle gehüllt, ansonsten völlig nackt, in frühosmanischer Zeit barfuss durch Anatolien zogen. Sie rasierten ihren Kopf, waren auf dem Oberkörper tätowiert und trugen einen silbernen Ring im Ohr. Zu ihrer Ausrüstung gehörten Äxte, Keulen, Holzschwerter und Musikinstrumente. Solche Derwische, die im 15. Jh. den asketischen Otman Baba (+1478/79) in Rumelien und auf dem östlichen Balkan begleiteten, sollen teilweise aus armen Hirtenfamilien der Yörük-Bevölkerung gekommen sein. Sie werden als Vorläufer der Bektashi angesehen, von denen sie im 16. Jh. völlig absorbiert wurden. In der Türkei gehörten sie den häretischen Kizilbash/Aleviten an. In Mittelasien, vor allem in den Oasen des südwestlichen Tarim-Beckens (Ostturkestan), leben sie noch heute als wandernde Bettler und Handwerker. Einige von ihnen sind in der zweiten Hälfte des 19. Jh. sesshaft geworden. Es wird auch die Ansicht vertreten, dass diese wandernden Derwische aus dem Gauklertum hervorgingen, da manche Gruppen nordsyrischer > Abdal ihren Lebensunterhalt noch immer als Gaukler und Schlangenbeschwörer bestreiten.

Lit.: Frembgen, Jürgen Wasim: Reise zu Gott: Sufis und Derwische im Islam. München: C. H. Beck, 2000, S. 110-111.

 

 

 

   © Prof. Dr. Dr. P. Andreas Resch                          
Lexikon der Paranormologie, Bd. 1